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Konzert |
| oper und konzert barock und jazz oper und konzert barock und jazz | |
| 19. Dezember 2008 | Lörrach / Burghof | Diskografie |
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Mitteldeutsche Weihnachtsmusiken |
| Heinrich Schütz - nach einer internationalen Ausbildung seit 1617 kursächsischer Hofkapellmeister in Dresden und schon zu seinen Lebzeiten als bedeutendester Musiker des Landes gerühmt - hatte schon 1623 einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Historia geleistet, indem er in seiner Auferstehungshistoria (SWV 50) erstmals Instrumente einsetzte. Zum Christfest 1660 ging Schütz einen Schritt weiter. "Auff gnädigste Anordnung" des jungen, musikliebenden Kurfürsten Johann Georg II. vertonte er die traditionelle Weihnachtsgeschichte auf innovative Art, wie er selbst im Vorwort der Druckausgabe von 1664 schreibt. Er beginnt zwar im alten strengen lutherischen Rezitationston, verlässt diesen aber bald und lässt zudem den Evangelisten durchgängig vom Generalbass begleiten, wie er es in Italien kennengelernt hatte. Dabei passt er dieses Modell von Textrezitation und Begleitung ganz an die Sprachmelodie des Deutschen an. Der Evangelist solle die Worte "nur nach der Mensur einer vernehmlichen Rede" absingen. Schütz nennt das Stylo Recitativo, als eine „neue, und bißhero in Teutschland [...] in Druck noch nie herfür gekommene“ Weise. Noch außerordentlicher verfährt er mit der direkten Rede der handelnden Personen - von Schütz "Action" genannt: Aus jedem der zehn an konkrete Personen gebundenen Redepassagen macht er ein Concert (sog. Intermedium) für Solisten und Instrumente: Der Engel (ein Sopran) wird von Gamben begleitet, die Hirten (drei Altisten) von Flöten und Fagott, die Weisen aus dem Morgenland (drei Tenöre) von Violinen, die Schriftgelehrten (vier Bässe) von Posaunen, und König Herodes von Trompeten. Dabei werden die Sänger von den Instrumenten nicht nur begleitet, sondern auch symbolisch dargestellt, so dass ihr Wesen und Charakter durch die Instrumentalfarbe ausgedrückt und durch die Musik „gemalt“ wird: Wenn die Hirten untereinander sprechen „Lasset uns nun gehen nach Bethlehem“ und ihre Flöten dazu spielen, dann sieht man sie vor dem inneren Auge förmlich loslaufen. Durch diese Charakterzeichnung der Szenen wie auch der Personen deutet Schütz die Abschnitte der Weihnachtsgeschichte so lebendig und farbig wie kein Musiker zuvor. |
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| Auch David Pohle war ein innovativer Komponist des 17. Jahrhunderts. Als Schüler Kapellknabe unter Schütz in Dresden, kam er über Stationen in Merseburg, Kassel und Gottorf um das Jahr 1661 nach Halle als "Fürstlicher Capellmeister" an den Hof Augusts von Sachsen-Weißenfels. Hier geriet er durch die Ankunft des jungen talentierten Johann Philipp Kriegers in eine Konkurrenzsituation, die ihn seinen Tätigkeitsschwerpunkt nach Zeitz und Merseburg verlagern ließ. Aber Pohle brauchte sich nicht zu verstecken: Seine Werke zeugen von einem hohen technischen und künstlerischen Können, darüber hinaus entwickelte er mit sicherem Gespür für formale Ausgewogenheiten neue musikalische Formen, wie die schöne Weihnachtskantate Nascitur Immanuel zeigt: Eingerahmt von einem prächtigen Concert für vier Violinen und fünf Stimmen stehen fünf Strophen einer Aria auf einen lateinischen Text, der den Erlösungswert der Geburt des Heilands für den Menschen besingt. Dieses Geschehen deutet der Text als ein kosmisches, das sich zwischen Erde und Sternenwelt abspielt. Sowohl das Concert als auch Motive in der Aria operieren mit auf- und absteigenden Figuren: So wie Christus vom Himmel kommt, so steigt das Lob der Menschen wiederum auf. Der "Choral Wachet auf", ruft uns die Stimme von Philipp Nicolai wird oft als "König der Choräle" bezeichnet. Er basiert auf einer außerordentlich prächtigen und eingängigen Melodie. Zahlreiche Komponisten haben ihn zur Grundlage von ausgeformten Choralbearbeitungen genommen, so auch der Lübecker Marienorganist Dieterich Buxtehude. Buxtehude war nach ersten Tätigkeiten am Öresund seit 1668 an der Marienkirche angestellt, einer Kirche, die damals schon berühmt für ihre hochstehende Kirchemusik war. Hier setzte Buxtehude die Tradition fort, in der Adventszeitgeistliche Abendmusiken zu veranstalten, in denen neben größeren Werken (z. B. Oratorien) auch Concerte, Arien und Instrumentalmusik aufgeführt wurden. Der Choral Wachet auf gehört traditionell zum letzten Sonntag vor dem I. Advent. Ursprünglich war die Vorbereitungszeit auf das Christfest eine 40tägige Fastenzeit (begann also schon im November) und thematisierte verschiedene Aspekte der Ankunft des Heilands. Das "Aufwachen" im Choral bezieht sich auf das Evangelium des Sonntags (Mt. 25), in dem Christus als ein stolzer Bräutigam erwartet wird, der seine Braut Zion in den Hochzeitssaal führen wird, wozu sie sich bereiten soll. Buxtehudes kunstvolles Choralconcert paraphrasiert den Choral, indem es die signifikanten Melodiemerkmale figuriert und imitatorisch zwischen den Singstimmen und den vier Violinen verwebt. Schon als junger Mann reiste Johann Philipp Krieger durch ganz Europa: Kopenhagen, Venedig, Rom, Wien und Bayreuth sind die Stationen seines Studierens und Konzertierens. 1677 wurde er Organist bei Herzog August in Halle, wo Pohle Hofkapellmeister war. Aufgrund seines Verhandlungsgeschicks wurde Krieger schon wenige Monate nach seiner Ankunft in Halle Vizekapellmeister und später Direktor der Hofmusik. Als der Hallische Hof 1680 nach Weißenfels umzog, zog Krieger mit: Der vormals Weitgereiste wurde sesshaft und blieb die nächsten 45 Jahre der malerischen kleinen Residenzstadt treu, in der auch Heinrich Schütz seinen Lebensabend verbracht hatte. Krieger baute hier die Hofkapelle zu einem leistungsstarken Ensemble aus und komponierte eine immense Anzahl an Kirchenkantaten (ca. 2500). Für einen Hofgottesdienst zum Christfest 1697 in der Weißenfelser Schlosskapelle entstand das wirkungsvolle Uns ist ein Kind geboren, das trotz kleiner Besetzung ein festlich-virtuoses Weihnachtsstück ist. In reichen Koloraturen und fugierenden Einsätzen leuchten die Gesangsstimmen und Instrumente in kunstvollem Spiel den Textinhalt aus. Eindrucksvoll ist der kontrastierende Mittelteil homophoner Akkorde auf unbetonten Taktteilen mit dem Text: "Rat, Kraft, Held, ewiger Vater, Friedefürst": Angesichts des weihnachtlichen Wunders ringt schon der Prophet Jesaja mit Worten (Jes. 9,5f ), und Kriegers Vertonung zeigt das Nicht-fassen-Können und zugleich die Kraft der Aussage auf großartige Weise. Ein jubilierendes Alleluja schließt das Weißenfelser Weihnachtswerk prächtig ab. Auch der aus Naumburg stammende Johann Theile war ein Schüler von Schütz. Seit 1666 studierte Theile in Leipzig Jura und musizierte hier in verschiedenen Gruppen und Collegii musici. Über Stationen in Stettin und Lübeck wo er sich mit Buxtehude anfreundete kam er nach 1673 als Hofkapellmeister nach Gottorf bei Schleswig. Schon 1675 gab er diese Stellung auf und lebte ohne feste Anstellung in Hamburg. Berühmt wurde Theiles geistliche Oper Der erschaffene, gefallene und auffgerichtete Mensch, die er anlässlich der Eröffnung der Hamburger Oper am Gänsemarkt schrieb. Die eigentliche Eröffnung geschah 1678 ebenfalls mit einer Oper Theiles: Orantes. Nach dem Tod Johann Rosenmüllers 1685 wurde Theile dessen Nachfolger als Hofkapellmeister in Wolfenbüttel. 1691 bekleideteer die gleiche Position in Merseburg. Später war er musikalischer Berater des Herzogs von Zeitz, lebte nach 1700 vornehmlich in Halle, unternahm aber zahlreiche Reisen u. a. nach Wien. Als verschollen galt Theiles Weihnachtskantate "Nun ich singe, Gott, ich kniee", die von einer schlichten, aber ausgesprochen klangvollen Kadenzharmonik und einem sensiblen Melodiebewusstsein bestimmt ist. Sie tauchte im Archiv der Berliner Singakademie wieder auf, das 2001 aus Kiew nach Berlin zurückkehrte. Das zauberhafte Weihnachtswerk ist eine Wiegenmusik, die den Blickwinkel eines an der weihnachtlichen Krippe Knieenden einnimmt. Der erste Chorsatz ist eine huldigende Anbetungsmusik, der dritte von beruhigender Behutsamkeit immer länger werden die Noten ausgehalten, immer reduzierter wird die Bewegung. Dem dazwischen stehenden zarten Chorsatz Schlaf, mein Seelchen ist jede Dramatik fern: Nur Koseworte im weichen Dreiertakt lullen den Säugling ein, während die Sopranstimmen über dem Chor glöckchenartig verklingen. Ein zärtliches Innehalten im Zeitenlauf voller weihnachtlicher Poesie. Erik Dremel |
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Dietrich Buxtehude (1637-1707) Wachet auf, ruft uns die Stimme Heinrich Schütz (1585-1672) Historia, Der Freuden- und Gnadenreichen Geburth Gottes und Marien Sohnes, Jesu Christi, Unseres Einigen Mittlers, Erlösers und Seeligmachers |
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