Songs
of an English Cavalier
Musik und Theater
SONGS OF AN ENGLISH CAVALIER A Hundred Years of English MusicDer Poet, der Lautenist und das Zeitalter der Melancholie
Flow my teares - eine ganze Generation hat sich mit diesem unendlich melancholischen Lied identifiziert. Fließt, meine Tränen, ergießt euch aus eurer Quelle! war an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert zu einer Lebenhaltung geworden. Ganz offensichtlich hatte das Lied mit seinem faszinierend-resignativen Tonfall den Nerv der Zeit getroffen, und zwar nicht nur in England, sondern auch auf dem europäischen Festland. John Dowland hatte die eigene Innerlichkeit entdeckt und seine Erfahrung von Melancholie und Verzweiflung musikalisch vollendet mitgeteilt, doch nicht etwa als Anleitung zur Flucht aus der Welt, sondern als musikalische Vertiefung in ihre Probleme (Sebastian Klotz). Oder, wie es bei Thomas Morley in der Einleitung zu seinem First Booke of Ballets" (1595) heißt, um Einsicht in höhere Dinge...zu gewinnen".
Natürlich decken sich die fließenden Tränen auch mit Dowlands persönlichem Schicksal. Er gehört zu jenen Komponisten und Instrumentalisten, die unter Elisabeth I. (1558 - 1603) und auch noch unter ihrem Nachfolger Jakob I. (1603 - 1625) das Land aus religiösen Gründen verließen. Die Königin hatte nach der Einführung der Anglikanischen Kirche (1552) die Katholische Kirche verboten. Die Klöster waren aufgelöst und ihre Besitztümer an Handelsherren verkauft worden. Ob Dowland, der mit dem Katholizismus sympathisierte, aus Glaubensgründen ins Ausland ging, ist nicht überliefert. Nachdem er sich vergeblich um eine Anstellung am königlichen Hof in London bemüht hatte, finden wir ihn 1594 als Lautenisten des Landgrafen von Hessen in Wolffenbüttel und Kassel. Ein erneuter Versuch 1598, in der Chapel Royal eine Anstellung zu erhalten, scheiterte. Daher schloß er sich einer Gruppe von englischen Musikern an, um am Hofe König Christian IV. von Dänemark als Lautenist zu wirken. Hier blieb er bis 1606. Dann kehrt er endgültig nach England zurück. Doch erst 1612 wird er, inzwischen einer der berühmtesten Lautenspieler Europas, Hoflautenist des englischen Königs. Zu diesem Zeitpunkt hatte Dowland jedoch den größten Teil seines uvres schon vollendet. Ab 1597 waren in den drei
Bookes of Songs or Ayres bereits die weltlichen Lautenlieder in London erschienen und hatten reißenden Absatz gefunden.
Englische Musik des 17. Jahrhunderts mit Werken von John Dowland, Thomas Campion, John Blow, Henry Purcell u. a.
A Hundred Years of English Music &endash; Was in der mit Oliver Cromwells Puritanismus zum Erliegen kam, erblühte beinahe ungebrochen zur Restauration. Nach gut hundert Jahren knüpft die englische Musik scheinbar nahtlos dort an, womit sie endete: mit einem ganz eigenem, unverwechselbarem, melodischen Stil - melancholisch, derb, sinnenfreudig. Purcells Konservatismus läßt sie nochmal einen Höhepunkt erleben, um dann ganz und gar verdrängt zu werden.
Den scheinbaren Ausfall einer ganzen Musiker-Generation kennt man auf dem Festland nicht. Und auch nicht solch eine musikalische Brücke über die Zeiten. Dieser Einzigartigkeit in der europäischen Musikgeschichte und den wunderbaren Melodien englischer Komponisten der 17. Jahrhunderts ist Songs of an English Cavalier gewidmet: Ein Kavalier trägt seine Liebe vor, es erklingen innigliche Liebeslieder wie muntere Trinklieder.
Es spielt das Berliner Ensemble der Alten Musik, die LAUTTEN COMPAGNEY. Und es singt der junge südafrikanische Tenor Kobie van Rensburg, engagiert am Müncher Gärtnerplatztheater, der sich in Zusammenarbeit mit hervorragenden Dirigenten wie René Jacobs, Lorin Mazel und Helmuth Rilling und bei internationalen Festivals in Salzburg, Schwetzingen und Luzern u.a. und einen Ruf als hervorragender Interpret der Alten Musik erworben hat. Vor wenigen Tagen wurde er in der Berliner Philharmonie gefeiert, als er gemeinsam mit der LAUTTEN COMPAGNEY eine wundervolle Auswahl von Händels Tenorarien präsentierte.
KritikSongs of an English Cavalier zu den Innsbrucker Festwochen 2002
Virtuos, pointenreich und temperamentvoll erzählt
Die Innsbrucker Festwochen wissen ihr Publikum nicht nur am Opernsektor zu verwöhnen. Dank Tenor Kobie van Rensburg und der Berliner LAUTTEN COMPAGNEY war auf Schloss Ambras eine kleine Zeitreise durch das England des 16. und 17. Jahrhundert zu erleben. Der Sänger gab sich nicht nur in den Liedern als überzeugender Erzähler, auch zwischendurch hatte er als Moderator Pointen parat. Sein geschmeidiger, flexibler Tenor ließ Ironie anklingen und Virtuosität hören. Mit der LAUTTEN COMPAGNEY hatte er zudem den bestmöglichen Partner an seiner Seite. Fein abgestimmt waren deren Lauten-, Harfen-, Cembalo-Töne - Temperament inklusive.
Kurier, 13. August 2002
Warm, klar und eindringlich
Trotz eisiger Temperaturen ließ der weltbekannte Tenor Kobie van Rensburg die Herzen des Publikums warm werden Die Komponisten der damaligen Zeit räumten den Musikern die größte Freiheit ein - eine Freiheit, die sich auch das Ensemble LAUTTEN COMPAGNEY nahm. Es machte sich die Musik zu eigen und gab ihr einen ganz individuellen Anstrich. Trotz sehr viel Gefühl wirkte sie nie verschnörkelt, sondern klar und eindringlich.
Kronenzeitung, 13. August 2002
Des Kavaliers vollendete Liedkünste
Mit dem Edelmetall seines kraftvollen Tenors, seiner interpretorischen Intelligenz und flexiblen Differenzierungskunst meistert Kobie van Rensburg die ganze Skala menschlicher Gefühle bis zum feinsten Pianissimo, würzt darüberhinaus seinen Ausdrucksreichtum mit der Lust am Komödiantischen Das Vergnügen steigerten die acht vortrefflichen Musiker der LAUTTEN COMPAGNEY, die dem Solisten vielsaitig und obertonreich einen kostbaren Klangteppich zu Füßen legten.
Tirol aktuell, 13. August 2002
Songs of an English Cavalier
Konzert und CD-Premiere am 14. Oktober 2001 im Berliner Hebbel-Theater
Zelebrierte Melancholie
Die Kompositionen von John Dowland, Tobias Hume, Thomas Campion, Henry Lawes, John Blow und Henry Purcell sind berührende Meisterwerke sowohl in ihrer unendlichen Melancholie, in ihrer blumigen Poesie wie in ihrer erstaunlichen Derbheit.
Der südafrikanische Sänger Kobie van Rensburg läßt sie recht lebendig werden und macht sie zum Ohrenschmaus. Seine klare, unangestrengt fließende Stimme moduliert Hingabe, Frust und Ohnmacht. Aber er kann auch anders, wenn Streicher und Cembalo ihre illustrierende Zurückhaltung verlieren und ihm zu trotzigen Kampfansagen verhelfen - an die untreue Geliebte, an die Heuchlerin wie an die alternde Schönheit. Hinter Blumen aus kunstvollen Noten und Worten äußern sich beleidigte Absage und verletzter Stolz. Sauberes, facettenreiches und expressives Spiel der Musiker mit den alten Instrumenten ließ eintauchen in eine Musik, die nicht geläufig ist und entdeckt werden will.
orpheus 2/02
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LAUTTEN COMPAGNEY und Tenor Kobie van Rensburg (Mitte,vorn). Cover der jüngsten CD (NCA 60112-215) Programme Diskografie