Konzert
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Gedichte zur Laute

"Passion Petrarca" im Konzerthaus

Passion Petrarca: Leidenschaft für den Dichter, die Leidenschaft des Dichters, die Geschichte seiner Leiden &endash; der Name ist vieldeutig. Die »Lautten Compagney Berlin« mit zwei Lautenisten, Gambe und Tasteninstrument und die Capella Angelica, ein Vokalquintett, gestalteten gemeinsam ein musikalisch-szenisches Programm mit Madrigalen auf Texte Francesco Petrarcas, des großen italienischen Dichters an der Zeitenwende vom Mittelalter zur Neuzeit.

Der Abend gehört zum umfangreichen Jubiläumsprogramm der Lautten Compagney Berlin. 1982 lernten sich Wolfgang Katschner und Hans-Werner Apel, zwei Studenten der klassischen Gitarre an der Berliner Musikhochschule »Hanns Eisler« kennen und begannen gemeinsam zu musizieren; 1984 gründeten beide die »Lautten Compagney Berlin«. Inzwischen musiziert das von Wolfgang Katschner geleitete Ensemble in unterschiedlichen Besetzungen vom Duo bis zum Opernorchester. Die Alte-Musik-Discographie ist beeindruckend, die Live-Projekte reichen vom intimen Lauten-Duo-Programm über unterschiedlichste szenische Arbeiten mit Pantomimen, Schauspielern, Tänzern, Sängern bis zu Cross-Over-Abenden mit Jazzern, Musikern aus der Neuen Musik und Video-Künstlern. Katschner nennt seine Compagney ein »florierendes Unternehmen«.

Fünf fiktive Studenten begeben sich in dem von Heike Hanefeld inszenierten Petrarca-Abend in eine Bibliothek und finden Texte des 1304 geborenen Dichters: seinen „Brief an die Nachwelt", philosophische Abhandlungen, sein Bekenntniswerk „Das Geheimnis/Gespräche über die Weltverachtung” in dem sich der Kirchenmann Petrarca die Anfechtungen der Sünde von der Seele schreibt. Jeder liest ein kurzes Textstück vor und immer wieder stoßen sie auf die »Canzionere«, eine Gedichtsammlung in der Volkssprache, in italienisch. Hier taucht Laura auf, die Unsterbliche Geliebte des Dichters, von der man nicht einmal weiß, ob sie wirklich existierte oder nur das Agens der schmerzlichen Liebeslyrik ist.

Jedes der gelesenen Gedichte endet als grandios gesungenes Madrigal. Die fünf Gesangsstimmen intonieren makellos rein, sparen am Vibrato und kosten doch die Gefühls-Überschwänglichkeiten der Komponisten genüsslich aus; sensibel und genau bis in den Saiten-Nachhall hinein begleiten die Instrumente. Immer ungeduldiger durchlebte man die Texte bis zur nächsten Musik. Jedes Madrigal machte es erneut evident, wie inspirierend Petrarcas selbst schon musikalische Lyrik noch 200 Jahre später auf die Madrigalkomponisten von Dufay bis Monteverdi wirkte.

Neues Deutschland 08. November 2004

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