|
Buxtehudes Zyklus von sieben Kantaten
benutzt eine sehr starke und bildhafte Sprache, die sich den Leiden Jesu widmet. Die Musik entspricht diesen Texten mit üppiger Klangsinnlichkeit und Wärme, mit faszinierenden Kontrasten aus Harmonie und Reibung, findet Ausdruck für Schmerzen, Hoffnung und Erlösung. Die tiefe und selbstverständliche Religiosität, aus der heraus dieses Werk entstand und die man in allen Zeugnissen von Musikern des 17. Jahrhunderts als ganz wesentlichen Bestandteil damaligen Bewusstseins empfinden kann, ist uns heute vorsichtig gesagt fremd. Aber natürlich suchen auch wir nach dem verborgenen Sinn von Leben und Sterben, nach einer Ordnung im Chaos der Welt, nach einer Spiritualität, die uns Halt geben kann. Hier kann der Berührungspunkt zu der Musik Buxtehudes liegen. Sicherheit und Stärke, vermittelt aus dem Gefühl tiefen Glaubens an eine höhere und ordnende Macht. Es müssen diese Festigkeit und damit verbunden eine innere Harmonie sein, die uns heute so empfänglich machen für Musik, die eigentlich überhaupt nicht mehr unserem Zeitgefühl entspringt.
Dietrich Buxtehude kam 1647 in Dänemark zur Welt. In Helsingör, wo sein Vater eine Organistenstelle inne hatte, besuchte er die Lateinschule, der Vater besorgte die musikalische Ausbildung. Im Jahre 1657 oder 1658 wurde er an der selben Kirche wie einst sein Vater in Helsingborg Organist, kehrte aber 1660 nach Helsingör zurück, um dort als Organist an der deutschsprachigen Gemeinde der Marienkirche zu arbeiten.
Am 11.4.1668 wählte man ihn zum Organisten an St. Marien in Lübeck, die damals eine der wichtigsten Kirchen in Norddeutschland war. Verbunden mit dieser Position war die Stellung eines Werkmeisters, worunter man sich eine umfassende Verwaltungstätigkeit vorstellen sollte. Buxtehude hatte dieses Amt bis zu seinem Tode inne und wurde weit über die Grenzen Lübecks hinaus als Organist und Komponist berühmt. Ein Teil seines Ruhmes basierte auf der Leitung einer Konzertreihe von Lübecker Abendmusiken. Sie fanden jeweils an fünf speziellen Sonntagen des Kirchenjahres statt und dürften zu den Anfängen eines öffentlichen Konzertwesens gehören.

|
-
Kritik
Konzert in Zürich
Prachtvoll klingt das
...Aber das alles spielt keine Rolle in dem Moment, da man in der Predigerkirche sitzt, gepackt und gerührt von einem Werk, das zum Abschluss des dreitägigen Buxtehude-Festivals des Forums Alte Musik Zürich eine grandiose Aufführung erlebt. Die Stimmen der Capella Angelica und die Instrumente der LAUTTEN COMPAGNEY finden unter der Leitung von Wolfgang Katschner all die Töne, die diese Musik verlangt: Die zarten und dank der Theorben auch die perkussiven, die empfindsamen und die angriffigen. Prachtvoll klingt das, dabei nie pompös und erst recht nicht kitschig ...
Zürcher Tagesanzeiger 03. April 2007
Konzert in der Herderkirche zu Weimar
Wahrhaftige Anmut
Katschner brachte den mit zwei Stimmen je Register minimalistisch besetzten Chor zu vollkommener Geltung; das enorm reagible Ensemble verströmte in fruchtigen Färbungen wahrhaftige Anmut, und die LAUTTEN COMPAGNEY begleitete auf historischen Instrumenten spannungsreich, mit delikater Dynamik. Das bescherte den Hörern in der Herderkirche - im Angesicht des Cranach-Altarbildes - ein tief kontemplatives Erlebnis, dessen konfessionsübergreifende Spiritualität auch nach 300 Jahren lebendig wirkte. Angemessen euphorisch fiel dafür der Beifall aus.
Thüringer Landeszeitung 22. April 2007
Buxtehude-CD-Trilogie der LAUTTEN COMPAGNEY Diskografie
Zupackend, dramatisch, volltönig
... Die neuste Aufnahme kommt von der LAUTTEN COMPAGNEY Berlin, und sie bietet in zwei Punkten eine entschieden "andere" Interpretation: Erstens
betont sie oft die dramatischen Aspekte und Kontraste der Musik (und nicht so sehr die meditativen); und zweitens bietet sie eine im Instrumentalsatz behutsam bearbeitete Fassung des Werks.
Denn Buxtehude verlangt neben einer Besetzung mit Violinen, Orgel und Continuo auch noch ein Gamben-Consort - er setzt dies aber nur in einer einzigen
Kantate ein. Die LAUTTEN COMPAGNEY präsentiert nun eine etwas volltönigere Version, in der die Gamben in den Mittelstimmen durchweg mitspielen - und
warum auch nicht?, wenn es so dezent geschieht wie hier.
Eine eigenständige Interpretation also in Charakter und Ausführung, sehr gut gesungen und gespielt von der Capella Angelica und der LAUTTEN COMPAGNEY Berlin, Leitung Wolfgang Katschner.
DRS 2 (Schweizer Radio) 05. November 2006
Konzert in Berlin
In glühenden Farben
"Membra Jesu Nostri - Unseres Jesu Glieder" ist eines der großen Werke der geistlichen deutschen Barockmusik vor Bach. Doch
anders als der himmlische Blut- und Leidensenthusiasmus der mittelalterlichen Textvorlage vermuten läßt, taucht der Lübecker Marienorganist Buxtehude die sieben
am Leib des Gekreuzigten aufsteigenden Meditationen über die Füße, die Schenkel, die Hände, die Flanke, die Brust, das Herz und das Antlitz Christi in
helles, freundliches Licht. Dem Gläubigen wird die betrachtende Identifikation mit dem Körper des Herrn als Weg des Heils in glühenden Farben schmackhaft gemacht.
Der Tagesspiegel 26. März 2002
|