|
| |
PENELOPE LA CASTA
Oper von Alessandro Scarlatti
|
Lobpreis auf die treue Gattin
Konzertante Oper beim Rheingau-Musik-Festival: Alessandro Scarlattis Dreiakter «Penelope la casta» erlebte eine hochklassige Aufführung in Kloster Eberbach.
Summa summarum dauert Scarlattis Lobpreis der Treue und Beständigkeit der Odysseus-Gattin Penelope satte vier Stunden. Die für Eberbach deutlich gekürzte Fassung, von der exzellenten Berliner «Lautten Compagney» unter Wolfgang Katschners Leitung ebenso transparent wie vielfarbig aufgefächert zum Klingen gebracht, konzentrierte sich in gut der Hälfte dieser Zeitspanne auf die wesentlichen Momente der homerischen Handlung. Ohne dass dabei der Eindruck des Mangels oder der Verstümmelung entstand.
Just in jenem heiklen Moment, da die einsame Königin ihren Gatten für tot hält und sich geneigt zeigt, dem immer aufdringlicheren Werben fremder Prinzen um Hand und Thron nachzugeben, kehrt Ithakas König nach langen Irrfahrten zurück. Dem zunehmend in Zweifel gestürzten Odysseus verlieh Kobie van Rensburg mit klarer sprachlicher Diktion, sauber geführter und beweglicher Tenorstimme plastisch Kontur.
Ihm stand mit Dorothee Mields eine jugendliche Titelheldin von Format gegenüber. Ihr reiner, heller, in der Höhe nie schriller oder übersteuerter Sopran eignete sich vorzüglich, den Charakter der Hauptfigur nuanciert zu zeichnen. Sie sang mit beredter innerer Anteilnahme, vermochte die emotionalen Aspekte der Rolle glaubhaft herauszumodellieren.
Die übrigen Partien waren dem hohen Standard gemäß besetzt: Florian Götz (Bariton) glänzte als aufmerksam besonnener Gildo, Luciana Mancini (Mezzosopran) und Yoseme Adjei (Altus) verkörperten fast zu geschmackvoll fordernd die Prinzen Lutezio und Gismondo. Dem stand Olivia Vermeulen als Tochter Elvida nicht nach.
Frankfurter Neue Presse 09. August 2010 |
| |
| |
| |
| |
Wettstreit um Königsthron
Scarlattis "Penelope la casta" konzertant in Kloster Eberbach
2001 kehrte Alessandro Scarlattis verloren geglaubte Opernpartitur zu "Penelope la casta" (1696) nach Deutschland zurück, nachdem sie in Kiew entdeckt worden war. Da sie im Sammelband Sophie Charlottes von Preußen "versteckt" war, fand man sie erst kürzlich in Beständen der Sing-Akademie Berlin. Nun kam es zur neuzeitlichen Wiederaufführung: zuerst als Studie in der Schola Cantorum Basiliensis und jetzt konzertant anlässlich des Rheingau Musik Festivals im Kloster Eberbach.
Leiter Wolfgang Katschner hatte dazu mit seiner "Lautten Compagney Berlin" vieles paarig aufgeboten: zwei große Cembali, zwei Großlauten und zwei Barockgitarren. Dazu rührte Percussionist Peter Bauer alte Trommeln, ließ Kastagnetten rattern oder den "Waldteufel" raunen. Vor dynamisch spielenden Violinisten zeigte Gambistin Ulrike Becker mit Annette Rheinfurth am Kontrabass und Mark Nordstrand am Orgelpositiv großartiges Continuo-Spiel. Blockflötist Martin Ripper, Oboist Eduard Wesly und Barockfagottistin Jennifer Harris boten dazu exzellente Holzbläserkunst.
Derartige Spitzenleistungen waren auch nötig, um die vielen Konversationslängen im Libretto zu überdecken. Dieses malte Odysseus' Heimkehr aus neuem Blickwinkel aus: Von Eifersucht übermannt stellt der Held die Keuschheit seiner Gattin Penelope wegen zahlreicher Freier, die sie bedrängen, auf die Probe. Er überbringt ihr, verkleidet als Diener, die Nachricht seines eigenen Todes. Im Spiel mit weiteren Identitäten und pulsierenden Neben- und Miteinander ernster und komischer Rollen gerät der Wettstreit um den vermeintlich leeren Königsthron zur facettenreichen Verwechslungsgeschichte.
Dorothee Mields verzückte als Penelope mit weicher, wunderschöner Sopranstimme, Affekte maßvoll auskostend. Zur Seite stand ihr die stimmkräftige Sopranistin Olivia Vermeulen als pubertierende Tochter Elvida. Tenor Kobie van Rensburg wütete als Ulisse alias Orimedonte.
Hohen Unterhaltungswert verbreiteten auch Mezzosopranistin Luciana Mancini als freiender Prinz Lutezio sowie Altus Yosemeh Adjei als insistierender Prinz Gismondo. Herausragend auch der junge Bariton Florian Götz als Odysseus treuer Diener Gildo, während Tenor James Elliott als naseweiser Kammerdiener Orimante etwas steif wirkte. Freilich ging nach der fulminanten Sinfonia und rasanten Vor- und Zwischenspielen im überdehnten Spannungsbogen des neapolitanischen Musiktheaters manch bezaubernde oder anrührende Melodie unter. Nicht aber Arien-Imitationen des Violin-Echos und mit Charakter gesungene große wie kleine Seelenqual.
Offenbach-Post 09. August 2010 |
| |
| |
| |
| |
Musikalische Dramaturgie für mythologischen Stoff
Die „Lautten Compagney Berlin“ mit Alessandro Scarlattis Oper „Penelope la casta“ in Kloster Eberbach
Nach eigenen Angaben schrieb Alessandro Scarlatti 117 Opern, zu denen auch
die 1999 wieder entdeckte Opera seria „Penelope la casta“ zu zählen ist. Zu den
Neuerungen, die man dem neapolitanischen Komponisten verdankt, gehört die
Einführung der jeder Oper voran gestellten Sinfonia mit der Satzfolge
schnell-langsam-schnell, das von Instrumenten begleitete Rezitativ sowie die
Ausbildung eines 799 (!) Kompositionen umfassenden neuen weltlichen
Kantatenwerks. Der mythologische Opernstoff der „Penelope la casta“ - „Die
keusche Penelope“ - feierte beim Rheingau Musik Festival in einer Interpretation
der Lautten Compagney Berlin unter der Leitung Wolfgang Katschners in Kloster
Eberbach eine umjubelte Premiere. Im Mittelpunkt der konzertanten Aufführung der
1693 in Neapel uraufgeführten Oper steht Penelope, die sich während der langen
Abwesenheit ihres Gatten Odysseus immer wieder der Zudringlichkeit zahlreicher
Freier standhaft erwehrt. Der Heimgekehrte misstraut dieser Treue und muss am
Ende erkennen, dass seine Zweifel unbegründet waren.
Scarlatti hat diesem von leidenschaftlichen Empfindungen bestimmtem Libretto
eine musikalische Dramaturgie verliehen, die die Gefühle der handelnden Personen
packend widerspiegelt. Unter dem präzisen, jedem Detail nachspürenden Dirigat
Wolfgang Katschners erhält die Partitur farbige Kontur, das fein entwickelte,
luzide Klanggewebe wird trotz der Formelhaftigkeit der vielen Kadenzierungen von
einer nie abreißenden Spannung mit schönen Instrumentalsoli getragen - ein
Sonderlob der Cellistin. Exzellent auch die beiden weiblichen Gesangssolisten,
Dorothee Mields als Penelope mit warm timbriertem, schlank und geschmeidig
geführtem Sopran, von gleicher stimmlicher Präsenz OIlivia Vermeulen als Elvida
und Mezzosopranistin Luciana Mancini als Lutezio.
Zur hohen Qualität des Konzerts trugen auch die Herren mit stilsicherem,
schönem Gesang bei: Tenor Kobie van Rendsburg als Odysseus, Altus Yosemeh Adjei
als Gismondo, Tenor James Elliott (Orimante) sowie Florian Götz (Gildo). Zu
Recht übertraf die Fülle an Bravorufen das gewohnte Maß.
Wiesbadener Kurier 07. August 2010 |
| |
|
| |
Musikalische Exequien
Vokalwerke von Heinrich Schütz und Dietrich Buxtehude Capelle Angelica & LAUTTEN COMPAGNEY
|
Leuchten aus der Ferne
Lautten Compagney beim Europäischen Kirchenmusikfestival
Schwäbisch Gmünd - Die Lautten Compagney Berlin und ihr Gründer und langjähriger Leiter Wolfgang Katschner sind in letzter Zeit für manche Überraschung gut gewesen. Das beweisen ihre jüngsten CD-Einspielungen, in denen man beherzt -wie im Falle von Henry Purcells Love-Songs - das Klangbild mit zusätzlichen Instrumenten ein wenig aufmischt oder ganz unkonventionell Instrumentalmusik Tarquinio Merulas aus dem Frühbarock mit solchen des Minimalisten Philip Glass konfrontiert.
Anlässlich des Konzerts des Ensembles zusammen mit der Vokalistenformation Capella Angelica in der Augustinuskirche Schwäbisch Gmünd beim Festival Europäische Kirchenmusik blieb nun allerdings alles im Rahmen, sieht man einmal davon ab, dass Wolfgang Katschner die Aufführung von Schützens dreiteiligen „Musikalischen Exequien“ mit instrumental musizierten und etwa drei Generationen später komponierten Bachchorälen untergliederte und nach Bachs einleitender Kantate BWV 131 „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ auch der darauffolgenden Buxtehude-Kantate „Wo soll ich fliehen hin“ (BuxWV 112) noch den Choralsatz „Drum schließ ich mich in deine Hände“ aus Bachs Motette „Komm, Jesu, komm“ anfügte. [...]
[...] die Instrumentalisten der Lautten Compagney und die Vokalisten der Capella Angelica vermochten sich in diesem Konzert [...] durch ihre lebhaft pulsierende Agilität, ihre Kontrastfähigkeit und die Vielfalt der graduellen Abstufung im Hinblick auf Dynamik, klangliche Fülle und Temponahme, auf der anderen Seite auch durch ihren Feinsinn im Herausarbeiten der musikalischen Charakteristika, durch ihre emotionsgeladene Ausdrucksfähigkeit der Textinterpretation und nicht zuletzt durch ihre organisch austarierte Geschmeidigkeit der Klanglinien und die Sensibilität ihrer atmenden Phrasenbögen auszuzeichnen.
Esslinger Zeitung 06. August 2010 |
| |
| |
| |
| |
Ein echtes Erlebnis war das zweistündige Konzert mit dem Dirigenten Wolfgang Katschner in der Augustinuskirche
[...]
Die sorgfältige Programmzusammenstellung und die Ausführung unter dem rührigen Forscher-Dirigenten Wolfgang Katschner geriet zu einem weiteren Höhepunkt des Festivals, vom SWR mitgeschnitten. Augenfällig die Positionierung der Künstler: Im ersten Teil mit Kantaten von Bach und Buxtehude standen die acht Vokalisten der Capella Angelica (je zwei Gattungsstimmen) vor der Lautten Compageney Berlin, ab den „Musikalischen Exequien“ von Schütz, wie gewohnt, dahinter. Alle Jesus-Worte wurden von der Kanzel, diejenigen der Engel von der Empore herab gesungen. Allein dies war von prägender Wirkung – inhaltlich und akustisch – und belegte so auch den gewünschten Dialog, der Kriterium des Ganzen war. Die professionelle Musizierweise stand keine Sekunde in Frage, die geistig-geistliche Durchdringung auch nicht. Man spürte durchgehend das Engagement der Ausführenden. Zugleich konnte man der barocken Vielfalt innewerden, mit der die Komponisten der Botschaft vom christlichen Sterben und Auferstehen gläubig gültigen Ausdruck verliehen. Stimmführung, Phrasierung und vor allem eine überaus sensible Dynamik machten das knapp zweistündige Konzert zu einem echten Erlebnis.
[...] Sehr schön war die Idee, dreimal einen (instrumental ausgeführten) Bach-Choral einzuschieben, einmal mit Oboe, den beiden Lauten und Orgel, das zweite Mal nur mit Streichern. Das tat den Sängern nicht nur stimmökonomisch gut, sondern war auch bezüglich des Innehaltens wertvoll. Das Publikum zeigte Gespür für diese Geste und enthielt sich – wohltuend – des Zwischenapplauses. Wolfgang Katschner dirigierte gestisch und ästhetisch überzeugend, hatte das Ganze stets in der Hand. Die Wichtigkeit des Textes genoss Priorität und führte so zu wichtiger Betonung der Schlüsselworte. Dass der Dirigent Humor besaß, zeigte seine Frage, wer denn in der Pause die Stimme (Noten) der 1. Geige weggenommen habe. Die Verteilung an die Chöre I oder II, auch ihr Miteinander (solistisch verdoppelt oder im Ganzen) führte zu einer weiteren Qualitätssteigerung. [...] Das Geistliche Konzert „Christus ist mein Leben“ des viel zu wenig aufgeführten Johann Rosenmüller und der Prætorius-Choral „Hört auf mit Weinen und Klagen“ beschlossen den Kreis wunderbarer barocker Werke, die in ihrer vokalen oder instrumentalen Kolorierung und feinen Melismatik einen ganzen Kosmos erschloss. Die Aufnahmetechnik erzwang die Wiederholung der Schützschen III. Motette, vom Publikum dankbar als Zugabe genossen. Alles in allem ein bewegender Abend des memento mori.
Rems-Zeitung 05. August 2010 |
| |
| |
| |
| |
Berührend und begeisternd
EKM: Lautten Compagney und Capella Angelica schlugen die Zuschauer in ihren Bann
Barockmusik auf höchstem Niveau erlebten die Besucher beim Gastspiel der Lautten Compagney Berlin und der Cappella Angelica am Dienstagabend in der voll besetzten Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd. Die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz, komponiert anlässlich der Begräbnisfeier von Heinrich Posthumus Reuß, standen im Mittelpunkt des Konzertabends im Rahmen der Europäischen Kirchenmusik.
Um dieses zentrale Werk herum hatten Wolfgang Katschner und seine Ensembles thematisch und textlich passende Kantaten und Choräle von Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude, Johann Rosenmüller und Michael Praetorius gruppiert. Im Künstlergespräch vor dem Konzert nannte Wolfgang Katschner einen möglichst transparenten, historisch adäquaten und lebendigen Ensembleklang als angestrebtes Ziel seiner Interpretationen. Gleich in der eröffnenden Bachkantate demonstrierten die Instrumentalisten und das solistisch besetzte Vokalensemble, dass dieser Anspruch auch realisiert wird. Mit viel Ausdruck gestalteten die acht Sängerinnen und Sänger die vermutlich unter dem Eindruck einer großen Feuersbrunst in Mühlhausen entstandene Kantate „Aus der Tiefe rufe ich Herr zu Dir“. Ausgezeichnet die ständigen, an der jeweiligen Textaussage orientierten Tempo- und Dynamikwechsel. Vielleicht nicht immer ganz optimal die Balance zwischen Ober- und Unterstimmen, die Soprani mussten doch gelegentlich etwas forcieren, um ihrer Führungsrolle gerecht zu werden. Eine berührende Interpretation boten Marieluise Werneburg und Daniel Ochoa in Buxtehudes Concerto-Aria-Kantate „Wo soll ich fliehen hin“. Verstärkt wurde der Dialog zwischen der suchenden Seele und Christus in seiner Wirkung noch durch die gegensätzliche Positionierung der beiden Protagonisten im Chor der Kirche und auf der Kanzel. Abgeschlossen wurde der erste Teil des Konzertes durch den in doppelchöriger Aufstellung mit Hingabe gesungenen Choral „Drum schließ ich mich in Deine Hände“. Wie homogen und ausgezeichnet besetzt „Capella Angelica“ ist, zeigte sich besonders im ersten Teil der Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz mit seinen ständigen Wechseln zwischen chorischen und solistischen Teilen und den vielfach variierenden Besetzungen. Durch alle Stimmlagen hindurch glänzten die Mitglieder mit sicherer Intonation und einer immer auf den textlichen Inhalt hin ausgerichteten lebensvollen Ausführung. Wolfgang Katschner versucht die liturgische Basis des Werkes im Konzert möglichst weit nachzuzeichnen und setzte deshalb zwischen die einzelnen Teile der Exequien die auch an der Begräbnisfeier von Heinrich Posthumus Reuß gesungenen Choräle, wenn auch in einer instrumentalen Fassung. Wunderbar gesungen und gespielt dann die doppelchörige Motette „Herr, wenn ich dich nur habe“, in der sich Lautten Compagney und Vokalensemble als wahre Einheit präsentierten. Der Gegensatz zwischen Himmel und Erde, der im dritten Teil der Exequien, dem Canticum B. Simeonis, thematisiert wird, wurde durch die Positionierung der „Seraphin“ (Sopran und Bariton) auf der Empore verstärkt und auch räumlich erfahrbar gemacht. Dass die erste Geige vor dem anschließenden Dialog Johann Rosenmüllers „Christ ist mein Leben“ ihre Noten vermisste, brachte die erfahrenen Musiker nicht aus dem Konzept. Mit einem wunderbar dynamisch gezeichneten Schluss präsentierten die Berliner Musiker dieses recht frühe Werk des deutsch-italienischen Komponisten. Mit dem abschließenden Choral „Hört auf mit Weinen und Klagen“ in der Fassung von Michael Praetorius setzten die Musiker schließlich einen nachdrücklichen Schlusspunkt hinter ein hervorragendes Konzert. Mit großem Applaus bedankte sich das Publikum, bevor als Zugabe nochmals der Canticum B. Simonis erklang.
Schwäbische Post 04. August 2010 |
| |
|
| |
Timeless
Musik von Tarquino Merula und Philipp Glass
|
Eine Reise durch Raum und Zeit
Exotische Instrumente wie die Theorbe, das Zink und allerlei Rhythmusklangkörper weben zeitlos schöne Klangteppiche. Die Lautten Compagney Berlin nimmt die Zuschauer im Rheinischen Landesmuseum mit auf eine spannend-meditative Entdeckungsreise.
Trier. (tab) Ein gelungenes Experiment und logistische Meisterleistung konnten am Samstag zirka 220 Besucher des Wandel- und Wanderkonzerts bei der "Nacht der Alten Musik" im Rheinischen Landesmuseum erleben. Auf dem Programm standen die versierten Klangkünstler der bereits mit dem Klassik Echo 2010 prämierten Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner. Ihre Raum-Zeitreise mit dem treffenden Titel "Timeless" zu Tarquinio Merula, einem frühbarocken Hofkomponisten, und Philipp Glass, dem zeitgenössischen Anhänger der Minimal Musik, wurde durch die Spielorte - die neu gestalteten Ausstellungsräume des Rheinischen Landesmuseums - noch intensiviert. So schien die vergoldete Augustus-Büste im Violinklang von Merulas Alemanas und Canzons zu tanzen. Die Theorben-Arie erklang vom Balkon, gleich einem Liebesschwur auf die antike Kunst. Besonders dicht wirkte die von Dia-Projektionen visuell untermalte Percussion-Meditation mit Trommel und Marimbaphon in der Statuenhalle. Zu warmen Farben wogen sich ekstatisch tanzende Frauen zur Trommel. Den eisig-zerbrechlichen Klang des Marimbaphons begleiteten Regengeräusche und kalt-blaue Bilder. Atemberaubend schön. Pure Lust und ausufernde Fröhlichkeit erlebten die Zuschauer bei fein arrangierten Interpretationen von Merulas höfischer Tanzmusik. Dagegen wirkten die aus Hollywood-Streifen bekannten Klangteppiche des Philipp Glass, die auf Wiederholung setzend Spannungsbögen erzeugt manchmal lahm und ermüdend. Dennoch ein spannendes Wahrnehmungserlebnis mit außerordentlicher Klangqualität in absolut sehenswerten Ausstellungsräumen des Museums.
Trierischer Volksfreund 01. August 2010 |
| |
|
| |
Triumph of Time
Hommage an die Neue Musik und an G. F. Händel
|
Scheideweg zwischen den Klangwelten
Händels "Triumph der Zeit" einmal anders: Lautten Compagney trifft auf Landesjugend-Jazzorchester
Wenn man Ansgar Striepens heißt, muss man Humor haben. Nicht nur, dass der Leiter des Jazzorchesters Sachsen-Anhalt selbiges zusammen mit der Berliner Lautten Compagney auf Halles Opernbühne bringt - und beide Orchester gemeinsam Händels Oratorium "The Triumph of Time and Truth" intonieren. Nein, er verspricht zu Beginn des Konzerts am Donnerstag auch, mit seinen Arrangements nicht in das Crossover-Schema zu verfallen.
Klangmächtig spielt das Barockorchester unter Wolfgang Katschner die Ouvertüre - und setzt mit dem Chorgesang "Time is supreme", den der Countertenor Hagen Matzeit interpretiert, im Zusammenspiel mit den Jazzern ein erstes Ausrufezeichen. Die Verschmelzung von Händel und Sound, die Striepens mit dem Pianisten Matthias Bätzel hier gelingt, ließ nicht nur die Jazzfans aufhorchen: In die erste Verzierung des Sängers schrieben die Arrangeure einen knalligen Off-Beat, der Basso Continuo wird zum Walking-Bass.
So könnte es weitergehen. Geht es aber leider nicht. Natürlich spielen beide Orchester für sich auf hohem Niveau, Matzeit mit den Lauten, die Sängerin Silvia Droste mit den Jazzern. Arie auf Arie wechseln sich die Orchester jedoch mit ihren Sängern ab, immer wieder braucht Hagen Matzeit ein paar Töne, um die Energie im Saal nach der Weltmusik zurück auf die 253 Jahre alten Klänge zu konzentrieren.
Und nur selten dürfen die Berliner ein paar begleitende Akkorde unter die swingenden Grooves streichen. So ist auch das inhaltlich-textliche Konzept des Abends kaum zu erkennen: Die Klangfigur der Schönheit wird von beiden Sängern getrennt interpretiert, ohne das ihre Arien sich verschmelzen - das überfällige Duett bekommen sie erst in der Zugabe: Dann darf Matzeit in der verjazzten Moritat Mackie Messers noch beweisen, dass er auch ausgebildeter Bariton ist, dann ergänzen sich deutscher und englischer Text wunderbar.
Mitteldeutsche Zeitung/Saalekurier 12. Juni 2010 |
| |
|
| |
Musikalische Exequien
Vokalwerke von Heinrich Schütz und Dietrich Buxtehude Capelle Angelica & LAUTTEN COMPAGNEY
|
Atemberaubende Vokal-Pracht bei Klosterkonzerten in Maulbronn
Lautten Compagney Berlin und Capella Angelica bei den Klosterkonzerten Maulbronn
Kunsthistoriker sprechen von „redenden“, manche sogar von
„singenden Steinen“, wenn sie die Aussagekraft einer kulturell
hochstehenden Architektur beschreiben wollen. Bei Konzerten der
verdienstvollen Reihe „Musica sacra“ in der Maulbronner Klosterkirche
kann man den Sinngehalt dieser Erkenntnis in wunderbarer Verlebendigung
erfahren.
Solche Sternstunden bot das vergangene Wochenende, als drei
„Musikalische Exequien“ (Toten-Feiern) von Heinrich Schütz in
meisterlich historischer Interpretation (mit dem Vokalensemble „Capella
Angelica“ und der Berliner „Lautten Compagney“) zu hören waren. Da
verdichtete sich der besondere Maulbronner Raumklang im Geflecht
verschmelzender intonationsreiner Vokalismen und originaler Instrumente
zu atemberaubender Pracht. Die vom Komponisten erstrebte „Süße des
Klangs“ vervielfachte sich.
Das Programm hatte noch weitere musikalisch-stimmige
Meditations-Beiträge über den Satz „Bist du doch, Gott, allzeit meines
Herzens Trost“ zu bieten. Einleitend ein mit wohlklingender
Instrumental-Sinfonia eröffnetes Duetto aus Johann Sebastian Bachs
erster überlieferter Kantate „Christ lag in Todesbanden“ (BWV 4). Und
aus seiner „Trauermusik für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen“ (BWV 244a)
die Tenor-Aria „Geh, Leopold, zu deiner Ruh“, deren Melodie und
Instrumentalbegleitung an die „Matthäus-Passion“ erinnert. Dietrich
Buxtehudes Dialogus „Wo soll ich fliehen hin“ (BuxWV 112), dessen
liturgische Strophen alternierend von einer Sopran- und einer
Bass-Stimme gesungen wurden, folgte. Bachs Motette für zwei vierstimmige
Chöre „Komm, Jesu, komm“ (BWV 229) rundete den ersten Teil des Konzerts
ab. In dieser textausdeutenden Vertonung entfaltete sich die
Vokal-Capella auf äußerst kunstvoll-konzentrierte Weise, konnte
Echo-Strukturen ausformulieren und brachte die expressiv biegsame,
koloraturdurchsetzte Melodik zum Leuchten.
Dann also, nach der Konzertpause, Heinrich Schütz, der in diesem Jahr
seinen 425sten Geburtstag feiert. Die glanzvolle Aufführung seiner
Exequien belegte, dass der frühbarocke Meister zu Recht als großer
Musikdramaturg gilt. Die von den Interpreten fein artikulierte
Text-Deklamation und die von ihnen herausgestellte Virtuosität der
Verzierungspraxis, die sinnfällige (durch farbige Einkleidung mit
Bach'schem Orchester-Satz noch verstärkte) instrumentale Ergänzung
führte zu wetteifernden Steigerungen der Affekte. Nicht nur Simeons
Gesang „Herr, nun lässest du deinen Diener fahren“ ließ jenseitige
Welten spirituell-musikalisch erstrahlen.
Wolfgang Katschner am Dirigentenpult, die einfühlsam sanften (drei)
Frauen- und (fünf) Männerstimmen, die vom Orgelportativ untermalten
Geigen, Lauten und Gamben zelebrierten ein geistliches Konzert, das
höchste Prädikate verdient.
Pforzheimer Zeitung 08. Juni 2010 |
| |
| |
| |
| |
Bewegendes Erlebnis
Lautten Compagney im Kloster
Das zweite Konzert in der Reihe „Musica Sacra" enthielt Kompositionen aus dem Barockzeitalter, in denen Leben und Sterben die tragenden Themen sind, verbunden mit der Ausbreitung von Trost und Loslösung von der Angst vor dem Tod. Wie im vergangenen Jahr gestalteten die Lautten Compagney Berlin und das Vokalensemble „Capella Angelica" ein bewegendes musikalisches Erlebnis im Kloster. Es erklangen eher selten zu hörende Kompositionen von Johann Sebastian Bach oder Dietrich Buxtehude, aber auch von Johann Rosenmüller oder Michael Praetorius, die jedoch für Liebhaber erhabener geistlicher Werke aus der Zeit des Barock von hoher Bedeutung sind. Beim Konzert in der Maulbronner Klosterkirche waren die Plätze in den Seitenschiffen nur spärlich besetzt. Wer jedoch die Darbietungen von herausragenden Musikern und Gesangssolisten hörte, für den erschloss sich die Festlichkeit und die andächtige Innigkeit der Kompositionen auf eindringliche Weise. Vor allem das Hauptwerk des Abends, die „Musikalischen Exequien" von Heinrich Schütz aus dem frühen 17. Jahrhundert, vermochte Seelen und Herzen nachhaltig zu berühren. Der Komponist bezeichnete das Werk als „Concert in Form einer teutschen Begräbnis-Messe". Doch zunächst standen Kompositionen mit vergleichbarer Botschaft von Bach und Buxtehude auf dem Programm. Kantaten und Motetten wurden von der Lautten Compagney Berlin und der „Capella Angelica" weihevoll und innig dargeboten. Das Instrumentalensemble entfaltete auf historischen Instrumenten einen silbrig hellen Streicherklang, in den sich fein ausgewogene Töne von Holzblasinstrumenten einfügten. Hoch kultivierte und ideal miteinander sich verbindende Stimmen der Sängerinnen und Sänger der „Capella Angelica" breiteten sich in der Kirche in beeindruckender Klarheit aus. Daraus wuchsen Aufführungen der aus tiefer Religiosität der Komponisten gewachsenen Werke, die in ihrer Andächtigkeit und Empfindsamkeit nicht zu übertreffen waren. Die „Musikalischen Exequien" gaben den Ensembles einmal mehr Gelegenheit, mit bewegender Sensibilität ausgereifte Interpretationen anspruchsvoller Kompositionen darzubieten. Es entstand eine zutiefst berührende Aufführung des Werks. Dieses Empfinden wurde mit Kompositionen von Johann Rosenmüller und Michael Praetorius noch bestärkt.
Mühlacker Tagblatt 08. Juni 2010 |
| |
|
| |
Köthener Trauermusik BWV 244a
Johann Sebastian Bach Gesamtrekonstruktion von Alexander Ferdinand Grychtolik
|
Vorösterliche Auferweckung: Bachs Köthener Trauermusik rekonstruiert
Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Ungefähr 300 Jahre nämlich. Dann aber ist es soweit. Eine eigentlich verlorene, 1729 entstandene Bach’sche Begräbniskantate, erfährt nach einer Rekonstruktionsgeschichte von einhundertvierzig Jahren eine bewegende Wiederaufführung. Schauplatz: Kammermusiksaal im Deutschlandfunk, Forum Alte Musik.
„Wir haben nichts, was uns für diesen vielleicht auf immer eingetretenen Verlust entschädigen kann.“ So klagte noch Bachbiograph Philipp Spitta. Das denkwürdige Konzert von Lautten Compagney Berlin, Theatre of voices und Capella Angelica unter Wolfgang Katschner beim Kölner Forum Alte Musik hätte ihn mit Sicherheit getröstet. Doch von vorn: Im November 1728 werden mit dem überraschenden Tod des Fürsten Leopold die Flaggen in Anhalt-Köthen auf Halbmast gesetzt. Bach, mittlerweile Leipziger Kirchenmusiker, ist tief getroffen, weiß er doch genau, was er Leopold verdankt. In Diensten seines Fürsten hatte er sich für mehr als fünf Jahre beinahe ausschließlich mit der instrumentalen Kammermusik befassen können. Jetzt, mit Leopolds Tod sieht er sich noch einmal herausgefordert, schreibt auf einen Text von Picander eine Begräbnismusik, in der er, wie es Spitta so schön ausdrückt, „seine ganze Kraft zusammennimmt“. Es entsteht die Köthener Trauermusik (BWV 244a), von der heute bis auf das Libretto allein die Begeisterung des ersten Bachbiographen Johann Nikolaus Forkel geblieben ist, dem letzten Besitzer der Partitur. Letztere verschwindet nach Forkels Tod spurlos. Doch bevor man sich in der Bachgemeinde mit dem Verlust abfindet, entdeckt der spätere Thomaskantor und Mitherausgeber der ersten Gesamtausgabe Wilhelm Rust Parodiebezüge zur Matthäus-Passion (BWV 244) sowie zur Trauer-Ode für Kurfürstin Christiane Eberhardine (BWV 198). Daran orientieren sich erste Teilrekonstruktionen, in denen die Rezitative allerdings noch gesprochen werden. Erst mit der Vermutung des Bach-Forschers Detlev Gojowy, wonach auch für die Accompagnato-Rezitative der Matthäus-Passion Parodiebezüge vorliegen, kommt das Verfahren wieder in Gang. Schließlich ist es am Weimarer Cembalisten und (nicht umsonst auch) gelernten Architekten Alexander Grychtolik, den Schlussstein einzufügen. Allein dort, wo der Notentext der Matthäus-Passion nicht hinreicht, ist er dazu übergegangen, Bachs Kompositionstechnik selbst zu rekonstruieren. Grychtolik, bei der Kölner Wiederaufführung selbst am Cembalo und einer Truhenorgel aktiv, möchte seine Ergänzungen wie seine Neuschöpfungen im Sinne eines „ästhetisch wie stilistisch geschlossenen Annäherungsversuchs“ verstanden wissen. Das klingende Ergebnis war verblüffend. Nichts erinnerte in dieser inspirierten Aufführung an das grob Technische einer „Rekonstruktion“. Wer befürchtet hatte, im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk einem Bach-Gerippe zu begegnen, das wie zur vorgerückten Geisterstunde an Fäden gezogen zum Laufen gebracht werden würde, sah sich angenehm überrascht. Alles, was Wolfgang Katschner seiner Lautten Compagney und der durch vier Solisten von Theatre of Voices verstärkten Capella Angelica entlockte, war aus Fleisch und Blut, hatte Stil und Charakter. Nur zu bereitwillig übernahmen die Interpreten den Puls eines federnden Dirigats, übersetzten es in ein berückendes Stück Musik. Was vor allem bezauberte, war das Unangestrengte, mit der sich die Musiker ihrer Aufgabe widmeten, den Fürsten zu verabschieden und sich gerade nicht in eine „Rekonstruktion“ zu verbeißen. Wahrscheinlich war genau dies der Grund, weshalb sie gelang respektive (da das Urteil der hohen Bachforschung noch aussteht) als beglückend gelungen empfunden wurde. Eine Sternstunde.
nmz online 16.03. 2010 |
| |
|
| |
Händel with care!
Our Favorites by G.F. Händel
|
Geigenduell und Walking Bass
Das Konzert "Händel with Care" im Theater
SCHWEINFURT Ein kleines Barockfestival ist am Sonntag am Theater der Stadt Schweinfurt zu Ende gegangen: vier Aufführungen der Händel-Oper "Serse"(Xerxes) und am Freitag - sozusagen als instrumentaler Einschub - der Konzertabend "Handel with Care" mit der Berliner Lautten Compagney, die bei den Opernaufführungen im Graben saß. Dass die Lautten Compagney derzeit eines der spannendsten Barockensembles ist, das war schon am ersten Opernabend unüberhörbar gewesen, im Konzert nun ging es richtig zur Sache. Die historische Aufführungspraxis hat - bei den Spitzenensembles jedenfalls !ängst die akademischen Hemmnisse der ersten Zeit überwunden beziehungsweise die wissenschaftlichen Erkenntnisse über zeitgenössische Gepflogenheiten in lebendiges, unmittelbares Musizieren umgemünzt.
Die Lautten Compagney unter der Leitung von Wolfgang Katschner tut das so mitreißend, als seien die Stücke eben erst komponiert worden. "Handel with Care" ist also mitnichten ein Aufruf zu übervorsichtigem Umgang mit heiligem Erbe, sondern eine selbstbewusste Aneignung, vor allem aber eine Liebeserklärung an den überbordenden Ideenreichtum Händels und seines Beinahe-Zeitgenossen Purcell. Der vielleicht verblüffendste Kunstgriff: Die Compagney hat in einer Art rhapsodischer Collage allerhand Arien aus Opern und Kantaten zu Blöcken zusammengefasst, die - jeder fur sich - zu musikalischen Genrebildern geraten. Die Singstimme übernehmen immer wieder andere Instrumente, mal ein ganzesStück lang, mal im fliegenden Wechsel. Und, so beglückend menschlicher Gesang sein kann: An diesem Abend hat wohl niemand einen Sänger vermisst.
Der erste Abschnitt beginnt mit Händelschen Fanfarenklängen und endet mit einem jazzig-motorischen Hornpipe von Purcell mit einem veritablen Walking Bass (Annette Rheinfurth) unter Führung der Maultrommel (Peter Bauer), der ahnen lässt, wo Leute wie Michael Nyman oder Philip Glass ihre Ideen herhaben. Dazwischen, schlüssig eingeleitet von ein paar Tönen aus Paul McCartneys "Yesterday", eine unglaublich anrührende Version der vielleicht schönsten Händel-Arie überhaupt: "Lasciach'io pianga" mit zweiTheorben - großer Gesang, zärtlich gezupft.
Andere Blöcke fassen düstere Nachtstücke zusammen, versammeln fetzige Reißer oder setzen Instrumente in Szene. Hochspannend etwa das Geigenduell zwischen Birgit Schnurpfeil und Maren Ries, kurios die Begegnung von Kontrabass und Triangel. Immer wieder entstehenaus der Instrumentierung die unterschiedlichsten Klangfarben, etwa in der Kombination Blockflöte/Geige, Geige/Oboe oder Fagott/Geige.
"Handel with Care" ist eine Feier barocker Vielfalt und ein mitreißendes Plädoyer fur kreatives und mutiges Musizieren. Wenn man so will, ist "Handel with Care" schon für sich ein kleines Barockfestival.
Schweinfurter Volkszeitung / Schweinfurter Tageblatt 19. Januar 2010 |
| |
|
| |
Köthener Trauermusik BWV 244a
Johann Sebastian Bach Gesamtrekonstruktion von Alexander Ferdinand Grychtolik
|
Vorösterliche Auferweckung: Bachs Köthener Trauermusik rekonstruiert
(nmz) - Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Ungefähr 300 Jahre nämlich. Dann aber ist es soweit. Eine eigentlich verlorene, 1729 entstandene Bach’sche Begräbniskantate, erfährt nach einer Rekonstruktionsgeschichte von einhundertvierzig Jahren eine bewegende Wiederaufführung. Schauplatz: Kammermusiksaal im Deutschlandfunk, Forum Alte Musik.
„Wir haben nichts, was uns für diesen vielleicht auf immer eingetretenen Verlust entschädigen kann.“ So klagte noch Bachbiograph Philipp Spitta. Das denkwürdige Konzert von Lautten Compagney Berlin, Theatre of voices und Capella Angelica unter Wolfgang Katschner beim Kölner Forum Alte Musik hätte ihn mit Sicherheit getröstet.
Doch von vorn: Im November 1728 werden mit dem überraschenden Tod des Fürsten Leopold die Flaggen in Anhalt-Köthen auf Halbmast gesetzt. Bach, mittlerweile Leipziger Kirchenmusiker, ist tief getroffen, weiß er doch genau, was er Leopold verdankt. In Diensten seines Fürsten hatte er sich für mehr als fünf Jahre beinahe ausschließlich mit der instrumentalen Kammermusik befassen können. Jetzt, mit Leopolds Tod sieht er sich noch einmal herausgefordert, schreibt auf einen Text von Picander eine Begräbnismusik, in der er, wie es Spitta so schön ausdrückt, „seine ganze Kraft zusammennimmt“. Es entsteht die Köthener Trauermusik (BWV 244a), von der heute bis auf das Libretto allein die Begeisterung des ersten Bachbiographen Johann Nikolaus Forkel geblieben ist, dem letzten Besitzer der Partitur. Letztere verschwindet nach Forkels Tod spurlos.
Doch bevor man sich in der Bachgemeinde mit dem Verlust abfindet, entdeckt der spätere Thomaskantor und Mitherausgeber der ersten Gesamtausgabe Wilhelm Rust Parodiebezüge zur Matthäus-Passion (BWV 244) sowie zur Trauer-Ode für Kurfürstin Christiane Eberhardine (BWV 198). Daran orientieren sich erste Teilrekonstruktionen, in denen die Rezitative allerdings noch gesprochen werden. Erst mit der Vermutung des Bach-Forschers Detlev Gojowy, wonach auch für die Accompagnato-Rezitative der Matthäus-Passion Parodiebezüge vorliegen, kommt das Verfahren wieder in Gang. Schließlich ist es am Weimarer Cembalisten und (nicht umsonst auch) gelernten Architekten Alexander Grychtolik, den Schlussstein einzufügen. Allein dort, wo der Notentext der Matthäus-Passion nicht hinreicht, ist er dazu übergegangen, Bachs Kompositionstechnik selbst zu rekonstruieren. Grychtolik, bei der Kölner Wiederaufführung selbst am Cembalo und einer Truhenorgel aktiv, möchte seine Ergänzungen wie seine Neuschöpfungen im Sinne eines „ästhetisch wie stilistisch geschlossenen Annäherungsversuchs“ verstanden wissen.
Das klingende Ergebnis war verblüffend. Nichts erinnerte in dieser inspirierten Aufführung an das grob Technische einer „Rekonstruktion“. Wer befürchtet hatte, im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk einem Bach-Gerippe zu begegnen, das wie zur vorgerückten Geisterstunde an Fäden gezogen zum Laufen gebracht werden würde, sah sich angenehm überrascht. Alles, was Wolfgang Katschner seiner Lautten Compagney und der durch vier Solisten von Theatre of Voices verstärkten Capella Angelica entlockte, war aus Fleisch und Blut, hatte Stil und Charakter. Nur zu bereitwillig übernahmen die Interpreten den Puls eines federnden Dirigats, übersetzten es in ein berückendes Stück Musik. Was vor allem bezauberte, war das Unangestrengte, mit der sich die Musiker ihrer Aufgabe widmeten, den Fürsten zu verabschieden und sich gerade nicht in eine „Rekonstruktion“ zu verbeißen. Wahrscheinlich war genau dies der Grund, weshalb sie gelang respektive (da das Urteil der hohen Bachforschung noch aussteht) als beglückend gelungen empfunden wurde. Eine Sternstunde.
NMZ online 16. März 2010 |
| |
|
| |
AEQUINOX
Musiktage zur Tag- und Nachtgleiche in Neurppin
|
Neuruppin: Hunderte Gäste bei den Musiktagen
Hochkarätiges Festival lockte zahlreiche Besucher an
Allein zum Eröffnungskonzert in der Neuruppiner Pfarrkirche kamen etwa 300 Gäste.
Neuruppin (RA) Die Neuruppiner Musiktage lockten am Wochenende viele hundert Zuschauer in die Fontanestadt. Unter dem Motto Aequinox thematisierte die Konzertreihe die Tag- und Nachtgleiche. Von Freitag bis Sonntag gaben sechs verschiedene Ensembles beziehungsweise Gruppen im Rahmen des Festivals Konzerte an mitunter ungewöhnlichen Orten. Den wohl skurrilste Spielort stellte die Produktionshalle des Mülltonnenherstellers ESE im Treskower Gewerbegebiet dar. Um das Konzert dort zu ermöglichen, war die Halle schon Tage zuvor von den schweren Maschinen befreit worden. Wie sich im Verlauf des Konzerts herausstellte, bot die Halle eine hervorragende Akustik. Die Musiktage wurden vom Förderverein Siechenhauskapelle und der Lautten Compagney Berlin organisiert.
Ruppiner Anzeiger 21. März 2010 |
| |
| |
| |
| |
Tag und Nacht, Henry und Freddie
Mit dem Neuruppiner Musikfestival Aeqinox ist in Brandenburg ein neues Kulturereignis etabliert
Äquinox, die Tag- und Nachtgleiche, im Frühjahr der Zeitpunkt im März, von dem an die Tage länger werden als die Nächte. Ein Zeichen des Aufbruchs, der Zuversicht, der neu erwachenden Lebensgeister. Am 21. März halten die Gegensätze sich genau die Waage, und dieses seltene Gleichgewicht mag Wolfgang Katschner dazu bewogen haben, ein neues Musikereignis zu etablieren.
Es ist tatsächlich ein Ereignis, das kann man nach der Premiere ganz ohne Übertreibung sagen: Das dreitägige Festival Aequinox im nordbrandenburgischen Neuruppin, am letzten Wochenende ausgerichtet von dem vorzüglichen Berliner Barockensemble Lautten Compagney und ihrem Chef Wolfgang Katschner. Sechs hochkarätige Konzerte an drei Tagen, an sehr unterschiedlichen Spielorten – Katschner ist mit diesem Wagnis in die Provinz gegangen, in seine Heimat, denn im gar nicht weit entfernten Kyritz wurde er 1961 geboren. Er gilt seit etlichen Jahren als einer der wichtigsten Experten, Interpreten, Wiederentdecker der Alten Musik, der Vorklassik also. Preise sowie Gastspiele in vielen Ländern bezeugen das, Operninszenierungen, Gastdirigate und eine Professur an der Berliner Musikhochschule.
Das Nebeneinander, das Miteinander, das Gleichgewicht von Gegensätzlichem – das ist offenbar eine Grundidee von Aequinox. Im Eröffnungskonzert die 400 Jahre alte, hoch komplexe, rätselhafte, dennoch zeitlos schöne Marienvesper von Claudio Monteverdi; ein Meilenstein der geistlichen Musik. Ein Klavierkonzert der jungen Ragna Schirmer mit Bach, Händel, Brahms. Klassisches Cembalo und modernes Akkordeon im Dialog. Alte und neue Love Songs in einer Fabrikhalle. Höfische Klänge aus Irland und Schottland, gespielt auf Flöten und Harfe. Volkslieder mit dem großartigen jungen Leipziger Vokalensemble Calmus. Wer musikalische Kontraste mag, wurde bei Aequinox bestens unterhalten.
Wobei Unterhaltung für die beteiligten Künstler ganz offensichtlich keine Problemzone ist. Das Publikum soll nicht in Ehrfurcht erstarren, sondern etwas erleben, auch etwas lernen. Katschner erklärte vor Beginn der Marienvesper die komplizierte Struktur des Werks, mit dem Monteverdi seinerzeit den Karrieresprung von Mantua in das besser beleumdete Venedig schaffte. Ein paar Takte wurden angespielt, die Musiker fügten weitere Stimmen hinzu; man bekam eine Ahnung von der Vielschichtigkeit dieser Musik. Und dann das ganze Werk in der Neuruppiner Pfarrkirche, die eher wie ein alter Opernsaal aussieht. Gregorianische Psalmgesänge und bis zu zehnstimmige Sätze, glasklar gesungen von der Capella Angelica. Dazu ein Orchester mit historischen Instrumenten wie der lautenähnlichen Theorbe, dem Fagott-Vorgänger Dulzian und dem Zink, einem frühen Blasinstrument mit trompetenähnlichem Klang. Wer der Lautten Compagney zuhört, spürt die tiefe Religiosität des Werks ebenso wie die immer wieder aufblitzende südländische und ganz weltliche Lebensfreude.
Kontrapunkte auch beim zweiten Auftritt der Lautten Compagney: Mit »Music meets Factory« folgte man einem ziemlich sicheren Erfolgsrezept, Hochkultur an den Ort der Industrieproduktion zu verlegen. In einer Werkhalle, in der sonst Mülltonnen hergestellt werden, erklangen »Love Songs« von Henry Purcell und Zeitgenossen aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie von Sting und Freddie Mercury. Dabei diesmal die Sopranistin Heidi-Maria Taubert, der Bariton Florian Prey und das Calmus Ensemble. Die Musiker spielten dieses Programm nicht herunter, sie zelebrierten es. Der faszinierende Percussionist Peter Bauer, der auch Maultrommel und Vogelstimmen bediente und einmal scheinbar Schmetterlinge flattern ließ, ist ein Klangmagier, von dem sich das Publikum willig verzaubern ließ. Die Lautten Compagney wieder mit lebhaftem, leichtem Spiel, die Sänger von Calmus mit ausgefeilten, technisch brillant vorgetragenen Arrangements voller hintersinnigem Humor. Sie und die großartigen Solisten bewiesen, dass Purcell ein ebenso begnadeter Songschreiber ist wie Sting; das unendliche Thema Liebe hat schon immer zu großer Kunst animiert. Musik für die Ewigkeit an einem Ort, an dem man sich ansonsten um die Entsorgung der vergänglichen Abfälle dieser Welt kümmert. Am Ende Beifallsstürme wie nach einem Popkonzert.
Mit den Aequinox-Musiktagen hat Neuruppin einen Trumpf in der Hand, den die Stadt in der Ostprignitz gut festhalten sollte. Sie kann sich damit gut behaupten gegen das von Kultur durchtränkte Rheinsberg mit Schloss, Musikakademie und Kammeroper, rund 30 Kilometer entfernt. Und auch aus der Kulturmetropole Berlin, eine knappe Autostunde südlich, könnten künftig noch mehr Musikfreunde den Weg in die Fontane-Stadt finden. Das Festival muss dafür gar nicht größer werden; dem ansonsten fast überall grassierenden Wachstumswahn sollten die Veranstalter widerstehen. Das Konzept stimmt: Altes auf höchstem Niveau mit Neuem zu verbinden. Das nächste Mal zu erleben Ende September, beim HerbstAequinox. Dann, wenn die Nächte wieder länger werden als die Tage.
Neues Deutschland 23. März 2010 |
| |
| |
| |
| |
AEQUINOX: Herz-Töne
Mit dem dreitägigen Festival haben sich Planer, Musiker und Zuhörer den gemeinsamen Traum von hochkarätiger Musik in Neuruppin erfüllt
Das Eröffnungskonzert ist gerade vorbei, der fulminante Schlussapplaus versiegt, da begegnen sich Gabi Lettow und Wolfgang Katschner hinter der Bühne. Zwischen Vorhang und Podest. Nicht ganz privat, aber doch – in diesem Moment, denn das Publikum ist schon unterwegs. Bewegten Herzens in die Nacht, auf in das Wochenende der Tag- und Nachtgleiche, die diesem Musikfestival seinen Namen gab: Aequinox.
Freitag, 21.30 Uhr. Aequinox ist nun eröffnet und Gabi Lettow und Wolfgang Katschner liegen sich in den Armen. Sie sind erleichtert, überglücklich. Ihr erstes Neuruppiner Musikfestival ist gleich am ersten Abend gefeiert worden. Die Freunde, die sich da umarmen, sind das Herz von Aequinox. Gabi Lettow, die als Konzertveranstalterin und Chefin des Fördervereins der Siechenhauskapelle vor Ort plante, die richtigen Leute ansprach und im ärgsten Stress Balance bewahrte. Und Wolfgang Katschner, der mit seiner hochkarätigen Lautten Compagney aus Berlin ebenfalls organisierte, immer wieder nach Neuruppin kam, die Kontakte zu Musikern vermittelte – und das finanzielle Risiko übernahm.
Zu Recht also eröffnete das Barockensemble auch dieses Festival. Mit seiner Partnerin, der Capella Angelica, haben sie – wohl zum ersten Mal in Neuruppin überhaupt – Claudio Monteverdis 400 Jahre alte Marienvesper wiedererweckt. Ein Auftakt, der nicht nach Bravo-Rufen giert, sie aber doch bekommt; und einen langen Atem braucht – bei den Musikern wie bei den Zuhörern. Als neue Dimension von Zeit schleust sie sich in den Geist: Eine „ewige“ Musik mit ihrem gregorianischen Psalmgesang und den kunstvoll gewobenen Bauwerken aus vielerlei Vokalstimmen. Eine innige Musik der Chitarronen, des Dulzian und der Zinken, die mit jeder neuen Wendung die Entdeckerlust der Ohren antreibt.
Sonnabend, 15 Uhr. Im restaurierten Schlossgarten betritt am zweiten Festivaltag Ragna Schirmer die Brücke der Alten Musik, die das Festival so grandios ausbreitet. Die Pianistin und Echo-Preisträgerin steht vor dem vielleicht ungewöhnlichsten Konzert des Wochenendes. Ungewöhnlich, dass sie überhaupt in eine Kleinstadt gekommen ist, dass sie Noten auf dem Pult hat, dass sie die Zuhörer ganz unverkrampft in ihr Programm einführt. Die Titanen des Barock – Bach und Händel – spielt Schirmer so, wie es die konventionelle Schule geradezu verabscheut: mit viel Pedal, unbekümmerten Tempiwechseln und zeitweiligem Fortissimo, dass der angemietete Steinway-Flügel seinen Rachen aufreißt wie ein Drache. In der Romantik ist Ragna Schirmer zu Hause und das will sie auch nicht verstecken, wenn sie Bach spielt. Ein Glenn Gould mit blonden Haaren. Sie ist sich sicher: „Er hätte den modernen Konzertflügel gemocht.“
18.30 Uhr. Kurz nach Schirmers dritter Zugabe startet an der Pfarrkirche der Busshuttle ins Gewerbegebiet. Als Ziel lässt der Fahrer AEQUINOX und ein paar Noten anzeigen. Jetzt herrscht großstädtische Festivalstimmung. Aequinox steht kurz vor dem Scheitel- und damit dem Höhepunkt. Die Firma Ese Industrie, die normalerweise 24 Stunden produziert, unterbricht für das Festival den Betriebsablauf. 400 Besucher strömen in die große Werkhalle durch ein Spalier von Müllbehältern. Auch an der Bühne hat man links und rechts zwei aufgestellt. In Gelb und Blau, den Farben von Aequinox. Aus klobigen Gitterkörben sind Stehtische geworden. Draußen kurven weiterhin die Gabelstapler, drinnen riecht es nach Plastikgranulat. Was viele nicht vermuteten: Genau hier wird die Akustik überragend sein.
Die gastgebende Lautten Compagney, die zum ersten Mal mit dem Calmus-Ensemble aus Leipzig unterwegs ist, hat ein Programm mit viel altenglischer Musik von Henry Purcell mitgebracht. Deren Leichtigkeit ist sofort in dem ganzen, riesigen Raum. Die Sopranistin Heidi-Maria Taubert zwitschert in die Werkhalle hinein, als wäre es der gewöhnlichste Ort von allen. Der Bariton Florian Prey macht es ihr nach; auch er – wie Calmus – zum ersten Mal mit der Compagney unterwegs. Die unvermeidbare Distanz in dieser großen Werkhalle spielt diese brillante Besetzung einfach davon. Das macht auch die Liebe, deretwegen diese Musik entstand.
22.50 Uhr. In der Siechenkapelle treffen die letzten Gäste zum Nachtkonzert ein. Bis nach 24 Uhr werden Jermaine Sprosse (Clavicembalo) und Jean Pacalet (Akkordeon) mit den Fingern wirbeln. Der 25-jährige Jungstar als Könner der Scarlatti-Sonaten; der erheblich ältere Franzose mit eigenen Kompositionen, in denen sein Akkordeon Kinderlachen ausspuckt, Träume spinnt, das Meer toben lässt – und in die die Zuhörer allmählich Wehmut mischen. Aequinox geht ins Finale.
Sonntag, 11.30 Uhr. Im Kornspeicher Neumühle treffen sie nun – ausgeschlafen – noch einmal alle aufeinander. Das Fachpublikum, das aus ganz Deutschland angereist ist, auf die Londoner Dame, die an der Themse die Bach-Gesellschaft betreibt. Die Allesbucher auf die Stippvisiteure. Die Blockflötenvirtuosin Dorothee Oberlinger und der Harfenist Tom Daun bringen mit „Barocco Celtico“ umwerfenden Schwung in den dritten Festivaltag. Oberlingers Zunge tanzt hinter ihren 14 Blockflöten, von der Garklein bis zum Bass. Und wissen Sie was, sagt sie: „Ich habe einen Dudelsack versteckt. Können Sie ihn finden?“ Im „Een Schots Lietjen“ quäkt er los. Oberlinger singt, während sie spielt. Nahezu unmöglich auf der Blockflöte. Aber was ist dieses Wort schon für diese Künstlerin?
17 Uhr. Noch einmal trumpft das Calmus-Vokalquintett in der Siechenkapelle auf. Die Vogelhochzeit und die klappernde Mühle, der Brunnen vor dem Tore und der aufgegang’ne Mond: Mit ihren unbeschwerten Arrangements setzen sie den Schlusspunkt unter Aequinox. Umjubelt. Glücklich.
Märkische Allgemeine 22. März 2010 |
| |
| |
| |
| |
AEQUINOX: Chapeau!
Zum ersten Mal gab es in Neuruppin dank privaten Engagements ein großartiges Musikfestival
NEURUPPIN - Den Gips und das Lächeln: Beides legte Gabriele Lettow am Wochenende nicht ab. Das eine braucht sie nach einem Skiunfall, das andere kam von ganz allein. Rund 1100 Musikfans besuchten die Aequinox-Musiktage. Immer wieder gab es am Rande herzliche Umarmungen, Zeichen tiefer Dankbarkeit. Viele Hotels waren nahezu ausgebucht – von Musikfans aus ganz Deutschland.
Gabriele Lettow hatte das Musikfestival zur Tag- und Nachtgleiche als Chefin des Fördervereins der Siechenhauskapelle privat organisiert. Intensiv unterstützt von der Berliner Lautten Compagney, dem hochkarätigen Barockensemble um seinen Leiter Wolfgang Katschner.
Insgesamt 49 000 Euro kostete das Festival. Durch Fördermittel aus verschiedenen Quellen kann Gabriele Lettow 30 000 Euro abdecken. Neuruppins Vize-Bürgermeister Arne Krohn lobte den unglaublichen Enthusiasmus der Organisatoren: „Ein so großartiges Festival auf privater Basis: Das ist etwas Einmaliges für Neuruppin und sucht auch in der weiteren Umgebung seinesgleichen.“
Viele Besucher hatten das gesamte Aequinox-Programm gebucht und erlebten so sechs unverwechselbare Konzerte: von der innigen Marienvesper-Darbietung in der Pfarrkirche bis zum Solo der charismatischen Pianistin Ragna Schirmer, die mit ihrem Konzert zugleich den restaurierten Schlossgarten als Spielstätte wieder in Betrieb nahm. Höhepunkt – sowohl vom Aufführungsort her als auch von den Besucherzahlen – war das Konzert „Music meets Factory“ am Sonnabend in der Werkhalle von Ese Industrie (ehemals Otto-Kunststoffverarbeitung).
Märkische Allgemeine 22. März 2010 |
| |
|
| |
Tra Le Fiamme
Italienische Kantaten von Georg Friedrich Händel
|
Hier rockt der Barock
Die Lautten Compagney und Doerthe Maria Sandmann fegen bei den Festspielen durchs Schloss Offenberg
Wer bei Barockmusik an verstaubte Rüschenkleider
und verklemmte Kreistänze denkt, der wurde am Dienstagabend im Marstall
des Schlosses Offenberg eines Besseren belehrt. Denn mit der Lautten
Compagney unter der Leitung von Wolfgang Katschner stand ein Ensemble
auf der Bühne, das den Barock zum Swingen, wenn nicht gar Rocken
brachte. Selten erlebt man einen so vollendet aufeinander
eingespielten Klangkörper, erscheinen die erhobene Augenbraue, das
verschmitze Grinsen oder das gemeinsame Atemholen eine so direkte und
homogene Sprache zu sprechen, die in Musik erklingt. Absoluter
Höhepunkt dieser Ensemble-Spielweise ist die Darbietung der Sonate für
zwei Violinen und Basso continuo op. 5 Nr. 4 von Georg Friedrich
Händel: Die acht Musiker - jeder für sich ein Virtuose auf seinem
Instrument - werfen sich lustvoll in die Klänge, umgarnen zärtlich und
humorvoll die Umspielungen und meiden mit dynamischem, mitunter
tobendem Drive jeden Hauch von Betulichkeit. Ähnlich kraftvoll und
energetisch mit beinahe plakativem Spiel mit der Dynamik kommt auch die
„Sonnerie de Ste. Geneviève du Mont de Paris“ von Marin Marais daher,
während die Sonate für Traversflöte und Basso continuo op. 1 Nr. 9 von
Händel von luftig zartem Wind getrieben scheint. [...] Die Berliner Sopranistin
Doerthe Maria Sandmann präsentiert wutschnaubend die
Kantate „Tu fedel? Tu costante?“ von Händel - ein zorniges Lied auf den
untreuen Geliebten. Sie besticht mit perfekter Artikulation bei Händels
„Alpestre monte“ und meistert virtuose Koloraturen bei seiner
farbenreichen Kantate „Tra le fiamme“. [...]
Der Barock [...] swingt weiter - in den Musikern und den
Besuchern.
Passauer Neue Presse 09. Juli 2009 |
| |
|
| |
Concerto Veneziano
Kompositionen von Albinoni und Vivaldi
|
Energie und höchste Präzision im Schloss
BRÜHL Wenn von der Kunst des italienischen Instrumentalkonzertes die Rede ist, dann kann ein Name nicht fern sein: Antonio Vivaldi. Und so stellte die Berliner Lautten Compagney unter der Leitung von Wolfgang Katschner bei seinem Besuch im Brühler Schloss Vivaldi ins Zentrum des Programms. Doch der unter dem Motto „Concerto Veneziano“ stehende Abend begann mit Tomaso Albinoni, der zu Lebzeiten hoch geschätzt und auf eine Stufe mit Vivaldi gestellt wurde. In seinem Concerto in d-Moll für Oboe, Streicher und Basso continuo - Albinoni war im Übrigen der erste italienische Komponist, der Oboenkonzerte komponierte - zeigt sich die Entwicklung des Konzertprinzips, in dem sich die solistischen und die Tutti-Elemente mehr als Partner und weniger als Gegner begreifen. Oboist Eduard Wesly erzielte einen kräftigen und klaren Ton, der vor allem im Adagio frühromantische Assoziationen weckte. Doch jetzt war die Zeit für Vivaldi gekommen. Sein neben den „Vier Jahreszeiten“ vielleicht berühmtestes Werk ist der zwölf Konzerte umfassende Zyklus „L'Estro Armonico“, in dem Vivaldi in Besetzung und Form stets unterschiedliche Konzerttypen gewissermaßen ausprobierte. Im Concerto Nr. 11 d-Moll treten zwei Violinen sowie das Violoncello in einen temperamentvollen Wettstreit, während im Concerto Nr. 10 h-Moll gleich vier Violinen den solistischen Part übernehmen. Zwischendurch erklang noch einmal Albinoni, dessen drei Arien aus der Oper „La gare generose“ Ensembleleiter Wolfgang Katschner zu einer Art Instrumentalkonzert für Oboe, Streicher und Basso continuo zusammengefügt hat. Der zweite Teil war dann ausschließlich Vivaldi gewidmet. In seinem Doppelkonzert in d-Moll RV 535 für Oboe, Violine und Streicher präsentierten die Solisten erneut ein transparentes Wechselspiel. Überhaupt spürte man zu jeder Zeit, wie vertraut die Lautten Compagney, die zu den renommiertesten Barockensembles zählt, mit dieser Musik ist. Ihr energisches und von höchster Präzision geprägtes Spiel zeigte sich auch im g-Moll-Concerto für Streicher und Basso continuo sowie im Doppelkonzert für zwei Violinen a-Moll aus „L'Estro Armonico“, mit dem das Ensemble einen begeisternden Barockabend beendete.
Kölner Stadtanzeiger 05. Juli 2009 |
| |
|
| |
| |
Mitreißende Venezianer
Bei den Brühler Schlosskonzerten erlebten die Zuhörer im ausverkauften Treppenhaus von Schloss Augustusburg einen mitreißenden Vortrag der Lautten Compagney aus Berlin. Es wurden Werke von Vivaldi und Albinoni gespielt.
BRÜHL Zunächst machte die Reihenfolge der Stücke im Programmheft stutzig: In der 1. Hälfte sollten, immer abwechselnd, Werke von Albinoni und Vivaldi gespielt werden. Beim Hören jedoch erwies sich diese Aufteilung als anregend und sinnvoll: Es machte Spaß, die atmosphärisch dichten Werke des Venezianers Tomaso Albinoni und die freieren, von einem ganz anderen Wind durchwehten Werke Antonio Vivaldis in einer Art Wechselspiel noch einmal neu kennen zu lernen. Bei den Brühler Schlosskonzerten erlebten die Zuhörer im ausverkauften Treppenhaus von Schloss Augustusburg einen mitreißenden Vortrag der Lautten Compagney aus Berlin. Vor 25 Jahren gegründet, haben sie sich längst als eines der renommiertesten Barockensembles etabliert. Zwischen Albinoni und Vivaldi gibt es natürlich viele (biografische) Parallelen: Beide stammen aus Venedig, gehören zur selben Generation, und wurden sicherlich von ähnlichen künstlerischen Einflüssen geprägt. Albinoni war nur sieben Jahre älter als Vivaldi, beide haben Konzerte für Oboen und Opern geschrieben. Es ist auch anzunehmen, dass Vivaldi sich von der dreisätzigen Form des „Concertos", bei der der erste und dritte Satz die gleiche Satzbezeichnung tragen und die Albinoni erprobt und immer wieder benutzt hatte, beeinflussen ließ, ebenso wie vom Einflechten von Ritornellen, also immer wiederkehrenden Teilen, ähnlich einem Refrain. Albinoni hat als Erster überhaupt ein Konzert für Oboe und Orchester geschrieben, wobei die Oboe hier sehr eng mit dem Orchester zusammenspielt und nicht so stark im Vordergrund steht wie bei einem Solokonzert. Doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Denn unterschiedlicher könnten die Ausdrucksformen und das Temperament der Werke beider Komponisten kaum sein.
Überraschende Wendungen
Albinonis Concero d-Moll Nr. 9 op. 2 für Oboe, Streicher und Basso continuo wirkt insgesamt formal strenger und kommt im zweiten Satz gar zuckersüß und am Rande des Kitschs tänzelnd daher. Ganz anders Vivaldis drei hier zu hörende Konzerte aus „L Estro Harmonico". Einfallsreich, spritzig, mit vielen überraschenden Wendungen, mit schönen Streicher-, Celli- und Lautensoli im Konzert Nr. 11. d-Moll oder völlig überraschend abrupten Schlüssen wie im Concerto d-Moll RV 535. Die Theorbe, ein Instrument aus der Lautenfamilie mit einem zweiten Wirbelkasten an einem verlängerten Hals, auf dem die längeren und tiefer klingenden Saiten gespannt werden, sowie die Barockgitarre verliehen der Musik einen ganz eigenen Charme. Der Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner gelang das Kunststück, die Musik über sich selbst hinauswachsen zu lassen. Der Funke, der übersprang, war fast mit bloßen Augen zu sehen. So temperamentvoll, so enthusiastisch und beseelt hört man Barockmusik nicht alle Tage. Viele Bravorufe begleiteten das Orchester in den Feierabend.
Kölnische Rundschau 05. Juli 2009 |
| |
|
| |
Marienvesper
Werk von Claudio Monteverdi Capella Angelica & LAUTTEN COMPAGNEY Berlin
|
Monteverdis "Marienvesper" macht bei den Maulbronner Klosterkonzerten großen Eindruck
MAULBRONN. Claudio Monteverdis um 1610 komponierte „Marienvesper“ ist so repräsentativ für die geistliche Musik des 17., wie Bachs „Matthäuspassion“ für das 18. Jahrhundert. Dabei geben Entstehung und religiöse Funktion des Werkes bis heute Rätsel auf. Beispielsweise streiten die Musikwissenschaftler noch immer über die Bedeutung der vier „weltlichen“ Vokal-Concerti innerhalb der 13-teiligen Messe. Jedenfalls passt diese sakral bestimmte Musik wie nichts anderes zum historischen Raumambiente einer Klosterkirche und zeigt sich hier in besonderer Sinnfälligkeit. Vor allem, wenn so ausgezeichnete und mit Monteverdi so vertraute Interpreten antreten, wie die von Wolfgang Katschner geleiteten Ensembles „Lautten-Compagney Berlin“ und „Capella Angelica“ bei der Aufführung in Maulbronn. Harmonie von Gesang und Musik Die zehn auch solistisch oder als „Vorsänger“ hervortretenden „Angelica“-Vokalisten bieten Gesang von ätherisch schwebender Faszination. Formstrenge verbindet sich mit der absoluten Beherrschung des frühbarocken Verzierungswerkes. Gesungen wird mit weichem Ansatz und einem duftig-leichten, vibratoarmen, federnd-beweglichen und eleganten Vokalklang. Da darf man, ohne zu übertreiben, getrost von engelsgleichen Stimmen sprechen. Hinzu kommt die „Compagney“ der fünf versierten Barockinstrumentalisten (zwei Theorben, Viola da Gamba, Barock-Fagott und Orgel-Portativ), die mit den Sängern nicht nur für ein fülliges, klangsprühendes Continuo sorgen, sondern auch für eine (selbst in schwierigsten polyphonen Passagen) lupenreine Intonation. Die fünf Psalmen, Hymnus und Magnifikat präsentierten sich – meist eingeleitet von gregorianischen Cantus firmi – als sechs- bis zehnstimmige mottetische Sätze, die unglaublich rein und linienklar wiedergegeben wurden. Die Concerti dagegen, sowie die großartig komplexe „Sonata sopra Sancta Maria“ sprühten auf der Basis des Generalbasses nur so vor hochexpressiver Affekten- und Koloraturenkunst. Diese Mischung aus Liturgie und Festmusik wurde in Maulbronn mit virtuoser Rasanz dargeboten. Im „Pulchra es“ zeichneten sich die Frauenstimmen mit klangschöner Zartheit ihrer Melodiebögen und mühelos aufsteigendem Silberglanz aus. „Duo Seraphim clamabant“ erklang aus wahrhaft seraphischen Kehlen. Und im „Audi coelum“ antwortete ein (hinter dem Lettner postierter) Ferntenor mit raffiniert eingefügten Echo-Rufen. Das „Lauda Jerusalem“ mit seinem gehärtet einsetzenden Sforzato-Akzent und der „Hymnus“ inszenierten leuchtende Jubelgesänge. Als krönenden Abschluss errichteten die Interpreten das „Magnificat“ wie ein prunkvolles Klanggebäude, das mit seiner Steigerungsdramaturgie in der akustisch dafür bestens geeigneten Kirchenhalle auf die konzentriert lauschenden Zuhörern einen überwältigenden Eindruck machte.
Pforzheimer Zeitung 15. Juni 2009 |
| |
| |
| |
| |
Perfekter Zusammenklang von Raum und Musik
Bemerkenswerte Aufführung von Monteverdis "Marienvesper" in Maulbronn
Das Maulbronner Programmheft hat schon Recht, darin zu lesen ist: „Monteverdis sogenannte Marienvesper ist eines der zentralen Werke des 17. Jahrhunderts. Dieses Werk in der Maria geweihten Klosterkirche aufzuführen bzw. zu hören bedeutet die perfekte Kongruenz von Raum und Musik zu erleben.“ Das Gotteshaus wardementsprechend voll besetzt. Die Lautten-Compagney Berlin und die Capella Angelica unter der Leitung von Wolfgang Katschner erfüllten die hochgesteckten Erwartungen. Die beiden Ensembles – zehn Sänger(innen), fünf Instrumentalisten – erwiesen sich als die – wie angekündigt – „stilkundigen und im Umgang mit Alter Musik erfahrenen“ Interpreten eines vor allem sängerisch ungemein anspruchsvollen Werkes. Jeder Mitwirkende ein Spezialist auf seinem Gebiet, jedenfalls ein(e) Solist(in), die es allesamt verdienten mit Namen genannt zu werden. Leider verschwieg sie der Programmzettel. Über die sogenannte „Marienvesper“ ist viel gerätselt worden und die Musikwissenschaft ergeht sich in Kontroversen. Das Entstehungsjahr (1610?) ist fraglich, die damals wohldefinierte Gattung „Vesper“ passt hier nur teilweise, genauere Angaben über Besetzung fehlen, und so weiter. Es kommt also darauf an, ob das Ergebnis der Bemühungen um die Realisierung des vorhandenen musikalischen Materials überzeugt. Von der Maulbronner Aufführung kann dies mit Fug und Recht behauptet werden. Der sich aus fünf Psalmenvertonungen (Nr. 109, 112, 121, 126, 147), vier sogenannten „Concerti“ (meist für Sologesang), dem Hymnus „Ave maris stella“ und einem „Magnificat“ nebst Responsorium und einer Sonata zusammensetzende Lobpreis Mariens ist ein von tiefer Frömmigkeit erfülltes, hoch artistisches Meisterwerk: ein idealer Auftakt zur exquisiten Musica sacra-Reihe innerhalb der Klosterkonzerte, die 2009 unter dem Motto „Maria – Mutter, Zeugin, Vorbild“ steht. In immer neuen Anläufen wird die Bedeutung der Mutter Jesu für den christlichen Glauben und das Seelenheil jedes Einzelnen beschworen. Monteverdi beherrscht das gesamte – geistliche wie weltliche – Repertoire der Musik seiner Zeit, das er zudem auf unverwechselbare Weise weiter entwickelte. Von den Sänger(innen) wird nicht nur Demut und religiöse Andacht gefordert, sondern eher noch opernhafte Virtuosität, um das Feuerwerk der Affekte und Verzierungen auszukosten. An alledem mangelte es den Berliner Musikern in keinem Augenblick. Intonation, Deklamation, und Expression genügten jederzeit höchsten Ansprüchen. Vielleicht hätte die dynamische Spannweite noch etwas größer sein können. So blieb es meist beim bloßen Wechsel von Solo und Tutti, ohne weitere Differenzierung. Auch hielten sich die Tempounterschiede der einzelnen Sätze in relativ engen Grenzen. Und das instrumentale Fundament aus Dulcian, Gambe, Theorbe bzw. Chitarrone und Orgelpositiv entfaltete zwar ein durchgängig klangschönes, dunkelgetöntes, aber auch nicht allzu farbenreiches Spektrum. Der Dirigent Wolfgang Katschner hatte eine wohltuend klare Auffassung von diesem geheimnisvollen „Werk“, das der Komponist vermutlich nie in dieser Fassung gehört hat (oder so aufgeführt hätte). Katschner machte sich Monteverdis Credo zu eigen, dass „Oratio Harmoniae Domina Absolutissima“ sei – oder die Musik dem Wort zu dienen habe. Bei den verwendeten Texten ist da trotz gelegentlicher „Hagelschauer“ (Ps. 147) und der Gewalt, mit der die irdischen Herrscher vom Thron gestoßen werden (Magnificat), wenig Raum für musikalische Exzesse. Monteverdis „Marienvesper“ ergötzt den historisch gebildeten Musiker und verlangt im Übrigen ein feines Ohr und die Fähigkeit zur Konzentration. Das Maulbronner Publikum war 90 pausenlose Minuten lang im Bann dieser Musik. Ein größeres Lob kann der Aufführung nicht gespendet werden.
Vaihinger Kreiszeitung 15. Juli 2009 |
| |
| |
| |
| |
Frühbarocke Klänge berühren das Publikum
Monteverdis „Marienvesper" in der Klosterkirche Innerhalb der Klosterkonzerte Maulbronn spricht die Reihe „Musica sacra" vor allem Musikfreunde an, die das Anhören geistlicher Werke in den altehrwürdigen Mauern des Zisterzienserklosters als ein spirituelles Geschehen erleben. Am Fronleichnamstag wurde zur Eröffnung der Folge von fünf Konzerten Claudio Monteverdis oratorisches Werk „Marienvesper" in der Klosterkirche aufgeführt. In diesem Jahr lautet die Überschrift zur Musica sacra „Maria - Mutter, Zeugnis, Vorbild". Dieses Thema wurde gewählt, weil die Klosterkirche Maulbronn wie alle Zisterzienserkirchen Maria geweiht wurde. An vielen Stellen in der Kirche stößt man auch optisch auf die Mutter Maria. Mit der Aufführung der „Marienvesper" durch die Lautten-Compagney Berlin und das Vokalensemble Capella Angelica wurde die Konzertreihe weihevoll eingeleitet. Das erhabene, meditativ-innige Werk, das Claudio Monteverdi im Jahr 1610 veröffentlichte, erlebte eine vom ersten Takt an eindringlich andächtige Interpretation. Es besteht aus insgesamt 13 Sätzen, von denen in fünf Teilen die Texte der Psalmen 109,112, 121, 126 und 147 vertont wurden. Nach den Psalmen war ein kurzes zumeist gesungenes Concerto zu hören. Die Vesper schließt mit dem Hymnus „Ave maris stella" und dem „Magnificat". Bei der Schöpfung der „Marienvesper" beschritt Claudio Monteverdi für die damalige Zeit im frühen 17. Jahrhundert durchaus neue kompositorische Wege, indem er vokal und instrumental konzertierende Stimmen mit virtuosem Sologesang und figurenreicher Instrumentierung einsetzte. Daraus bezieht das Werk eine Eindringlichkeit, die auch Menschen des 21. Jahrhunderts zu berühren vermag. Das Ensemble Lautten-Compagney Berlin ging 1984 aus dem Lautenduo von Wolfgang Katschner und Hans-Werner Apel hervor und war am Donnerstagabend in einer orchestralen Besetzung mit historischen Instrumenten des frühen Barockzeitalters zu hören. Dem Ensemble gelang es unter der Leitung von Wolfgang Katschner die faszinierende Vielfalt und Vitalität des Monteverdi-Werks überaus feinstimmig und genussvoll zum Klingen zu bringen. Deutlich trat dabei der warme, tiefe Klang der Lauten hervor. Mit dem lebendigen und transparenten Instrumentalklang verbanden sich die kultivierten, klaren und geschmeidigen Stimmen des Vokal-Ensemble Capella Angelica. Daraus entfaltete sich eine von hochbarocker Ausdrucksdichte geprägte Aufführung der „Marienvesper".
Mühlacker Tagblatt 13. Juni 2009 |
| |
|
| |
Love Songs by Henry Purcell
|
Hypnotisiert von Liebesliedern
Spannender Auftakt der Barock-Festspiele Dass Menschen in Konzerten stillsitzen und (von gelegentlichen Hustern abgesehen) konzentriert der Musik lauschen, ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. In der Barockzeit waren die Sitten lockerer - und Musiker konnten nicht von vornherein mit der Aufmerksamkeit ihres Publikums rechnen. Ein bisschen wie im 17. Jahrhundert konnte man sich daher beim Auftaktkonzert der Arolser Barock-Festspiele in der Fürstlichen Reitbahn vorkommen. Denn die zwölf Musiker der Lautten-Compagney Berlin und die Sopranistin Dorothee Mields gaben sich nicht damit zufrieden, Noten vom Blatt zu spielen und zu singen. Sie hatten schlichtweg den Ehrgeiz, ihr Publikum zu hypnotisieren. Es begann mit dem geheimnisvollen Klang einer Maultrommel, eine Theorbe und eine Laute kamen hinzu - und schon befand man sich mitten in einem Instrumentalstück des englischen Komponisten Henry Purcell (1659-1695), dessen 350. Geburtstag gerade gefeiert wird. Um Henry Purcell und einen weiteren großen Jubilar, den Wahl-Engländer Georg Friedrich Händel (1685-1759), drehte sich das Programm mit "Love Songs" vorwiegend aus ihren Opern. Welch ein Unterschied zu den gestrengen "Erfindern" der historischen Musizierweise, wenn ein junges Ensemble wie die Lautten-Compagney und eine charismatische Sängerin wie Dorothee Mields alte Musik "performen"! Mields, die über eine Stimme von kristallener Klarheit verfügt und dank ihrer blendenden Gesangstechnik die kolorierenden Verzierungen mit improvisatorischer Frische herüberbringt, beherrscht das Leichte ebenso wie das Tiefgründige. Herrlich anmutig ihr (von Vogelgezwitscher begleitetes) "Sweet Bird, that Shun's the Noise of Folly", anrührend ihre Zugabe-Version des Händel-Hits "Lascia ch'io pianga" (der zuvor in einer Fassung für zwei Lauten erklungen war). Die Lautten-Compagney mit ihrem Leiter Wolfgang Katschner präsentierte sich als topmodernes Barockensemble: Historisch versiert, mit ungeheurer Spielfreude und einem ganz individuellen Puls, der wesentlich von der Kontrabassistin Annette Rheinfurth getrieben wird. Viel Beifall und Bravos in der ausverkauften Reithalle.
HNA 12. Juni 2009 |
| |
| |
| |
| |
"Weiter mit Barock-Festspielen"
...Einen vielversprechenden Auftakt erlebten die Besucher in der fast völlig ausverkauften Fürstlichen Reitbahn: Sie spendeten der Lautten Compagney Berlin und der Sopranistin Dorothee Mields begeistert Beifall für die Love Songs von Purcell und Händel. Dabei zeigten die Musiker neben großer Spielfreude auch ein facettenreiches Aufführungsverständnis und musizierten über stilistische Grenzen hinweg.
Waldeckische Landeszeitung - Frankenberger Zeitung 11. Juni 2009 |
| |
|
| |
Chirping of the Nightingale
John Playfords »English Dancing Master«
|
Konzert "Chirping of the Nightingale" in der Siechenhauskapelle Neuruppin
Direkt aus dem Paradies müssen sie gekommen sein, die Musiker der
„Lautten Compagney“. Die Taschen vollgestopft mit liebestollem
Gezwitscher, mit sprießenden Klängen und Tönen, die die Welt diesseits
vergessen hat.
„Chirping of the Nightingale“ – das Zwitschern
der Nachtigall: Mit diesem Programm ist die Berliner Lautten Compagney
um Wolfgang Katschner am Freitagabend in Neuruppins Siechenhauskapelle
eingezogen. Eingeflogen leiser als ein Vogel – und sogleich lauter als
jede Sorge der Woche, die manch einem der rund 100 Zuhörer noch an der
Seele haften mochte.
Dem Programm, das in gepresster Form das
meistverkaufteste des renommierten Barockensembles ist, liegt die
Sammlung „The English Dancing Master“ zugrunde. 1651 brachte John
Playford das Bändchen heraus, 105 beliebte Lied- und Tanzmelodien nebst
Tanzanleitung umfassend. Playford hatte nichts weiter als die Schlager
seiner Zeit aufgeschrieben – von Erdbeeren und Jungfrauen erzählend.
Die Lautten Compagney – 2008 schon einmal Gast
in der Siechenkapelle, diesmal zu siebt – hat sich gerade erst
eingestimmt, da pfeift ein Vogel. Das erste Mal. Man könnte es noch für
das Quietschen eines mechanischen Teilchens all dieser wundersamen
historischen Saiteninstrumente halten. Doch nein, es kommt wieder. Das
Pfeifen, Trillern. Ein Kuckuck mischt sich darunter, ein heiserer Rabe
– und all das irgendwo unter den Musikern.
Nicht alles, woraus die Lautten Compagney Musik
macht, sieht man auch. Ein paar Musiker spielen auf Vogelflöten – der
Rest ist verborgen. In Hosentaschen, in der Mulde einer Hand, als
Glöckchenkette am Fußgelenk. Das gilt vor allem für den findigen
Perkussionisten Peter Bauer. Aus den altenglischen Renaissance-Melodien
macht er spanische Boleros, den Offbeat des Jazz bringt er ihnen
genauso bei wie das orientalische Vibrieren. Mit Maultrommeln,
Kastagnetten und allerlei anderem Zaubergerät.
Wie er so beinahe unbeweglich, aber mit dem
Rhythmus im ganzen Körper, eine Trommel wie einen Vollmond über die
Hände wandern lässt, macht er natürlich eine Menge her. Immer wieder
gibt es zwischendurch Applaus.
Doch der zweite, mindestens ebenso große Solist
des Abends ist Martin Ripper, der die Blockflöten in allen Größen
beherrscht, als hätte er ihr Spiel – da ist es wieder – im Paradies
gelernt. Dass alle anderen Musiker viel mehr sind als brodelndes
Fundament – auch das wird klar in diesem Konzert. Und wenn es noch
etwas gibt, dass es lehrt, dann, dass es keinen Klang gibt, den es
nicht gibt.
Märkische Allgemeine 30. März 2009 |
| |
|
| |
Händel with care!
Our Favorites by G.F. Händel
|
Händel, ganz frech: Die Berliner Lautten Compagney in Völklingen
Um die Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner zu erleben, lohnt sich auch die weiteste Anreise. In seinem Programm "Händel with care" schlug das Barockensemble aus Berlin gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen wurde dem Altmeister, dessen Todestag sich zum 250. Mal jährt, Tribut gezollt und gleichzeitig ein Vierteljahrhundert Lautten Compagney gefeiert. Katschner hatte Arien aus Oper und Oratorium für Instrumentalsolisten aufbereitet. Das ist neu und auch frech, weil ein derart kreativer Umgang mit vorhandenem musikalischem Material Erbsenzähler der Alten Musik-Szene durchaus auf die Palme zu treiben vermag. Fernab von musikwissenschaftlichem Muff nutzte Katschner die Möglichkeiten seines Ensembles zu gesten- und affektreicher Darstellung. So entstanden traumhaft schöne, barocke Klangwelten voller Poesie und mit einer nahezu magischen Sogwirkung.
Bemerkenswert auch die Teamarbeit auf dem Podium, wenngleich es abgedroschen klingen mag: Bei der Lautten Compagney hört man aus jeder Note die Liebe zum Detail heraus. Schön, dass es im Juli in Völklingen ein Wiederhören mit dem Ensemble geben wird
Saarbrücker Zeitung 18. März 2009 |
| |
|
| |
Weihnachtshistorie
Weihnachtskantaten von Schütz, Buxtehude, Rosenmüller, Theile
|
Erhebungen der Seele
Die Lautten Compagney Berlin im Burghof Lörrach
Die Badische Zeitung unterstreicht die Leistung der Lautten Compagney Berlin und der Capella Angelica unter der Leitung von Wolfgang Katschner, der mit seinen Musikern so präzis und intensiv gearbeitet hat, dass in deren Spiel und Gesang kein Detail übersehen wird, das Ganze gleichwohl frei von tönender Pedanterie bleibt. Um es in einem Satz zu sagen: Die Berliner gehören zur nicht allzu großen Schar wirklich guter Barockensembles, deren Interpretationen sorgfältig durchdacht und uneingeschränkt ernstzunehmen sind.
Badische Zeitung 22. Dezember 2008 |
| |
| |
| |
| |
Engel, Hirten und Hohepriester
Schütz' "Weihnachtshistorie" im Burghof
Ein perfekter Einklang herrscht ebenso bei der Capella Angelica, die vorzügliche Vokalsolisten ausweist, sowie im Barockorchester Lautten Compagney Berlin unter Leitung von Wolfgang Katschner, einem ausgezeichneten Instrumentalensemble mit alten Instrumenten, in dem Dulzian, Gambe, Theorbe und Chitarrone ihre Partien lebendig ausschmücken...
So muss diese Musik klingen, in großer Farbigkeit und lebendiger "Klangrede"...
Oberbadische Zeitung 23. Dezember 2008 |
| |
|
| |
Timeless
Musik von Tarquino Merula und Philipp Glass
|
Über die Jahrhunderte hinweg
Foyerkonzert präsentiert mit der Lautten Compagney Berlin ein faszinierendes Ensemble
...Tarquino Merula und Philip Glass. Wer ob dieser Kombination stutzte - Merula, der Komponist aus Cremona im 17. Jahrhundert und Philip Glass, der amerikanische Minimalist - wusste es nach wenigen Minuten besser: Genau diese Mischung hat es in sich und beweist, dass Musik in einen Dialog treten kann, zueinander und zum Zuhörer.... Die Frage nach der historischen Aufführungspraxis stellt sich nicht, es zählt nur der Klang. Und der ist phänomenal.... Herausragend ein Solo für das Saxohopn (Carola Elßner), das zur Gänze aus aneinander gereihten Trillern besteht... Wolfgang Katschner ist bei der Dramaturgie des Programms ein genialer Streich gelungen. Im steten Wechsel fügt sich Glass an Merula, fast übergangslos reihen sich die kurzen Stücke aneinander und werden so zu Sätzen eines einzigen Werkes...
Schweinfurter Volkszeitung/ Schweinfurter Tageblatt 03. November 2008 |
| |
|
| |
Die beiden Venezianer an der Basilika San Marco
Instrumental- und Vokalmusik von Claudio Monteverdi und Giovanni Gabrieli
|
Viel Bewegung im Schiff
In der Frauenkirche Dresden erklangen expressive Werke von Gabrieli und Monteverdi.
[...] Bewegender noch geriet das "Gloria“ aus Monteverdis später Sammlung „Selve morale e spirituale“, in dem der Silbersound der Violinen und sieben Gesangsstimmen in einem Feuer der Begeisterung emporstiegen [...].
Gabrielis zauberhafte Motette „In ecclesiis“, die den Abend eröffnet hatte, beschloss ihn auch - diese Zugabe bündelte die feinen Qualitäten aller Beteiligten nachhaltig. Inspiriertes, in seiner Authentizität durchweg überzeugendes Musizieren fand Krönung in höchst expressivem und zuweilen überirdisch schönem Gesang.
Sächsische Zeitung 11. Oktober 2008 |
| |
| |
| |
| |
Musikgeschichte pur
Die Lautten Compagney in der Frauenkirche
Venedig und Dresden – die Musikgeschichte beflügelnde Stätten, Gabrieli / Monteverdi und Schütz – dort wie hier Repräsentanten ihrer Epoche, San Marco und Frauenkirche – Wahrzeichen und Orte der Musikpflege. Aus diesen Impulsen ein imponierendes Programm nach Dresden gebracht zu haben ist das Verdienst Wolfgang Katschners, der mit seinen bewährten Ensembles Lautten Compagney und Capella Angelica in der Frauenkirche musizierte. [...]
Unter Leitung des erfahrenen Spezialisten ist eine Musiziergemeinschaft entstanden, die an Kompetenz und Engagement ihresgleichen sucht. Vokalisten und Instrumentalisten (Barock-Instrumente) sind mit jener Musik geradezu verwachsen. Nun schien der Raum der Frauenkirche zusätzlich zu beflügeln, denn er gestattete, die Werke Gabrielis für "cori spezzati" (getrennt aufgestellte Doppel- und Tripelchöre) eben mit diesem besonderen Effekt aufzuführen, der auch in San Marco vorherrschte. Da ergaben sich großartige Wirkungen, bei dem Magnificat für fünf Chöre und B.c. von Heinrich Schütz zu größter Vollendung geführt. Wollten nicht Raum und Zeit in dieser Interpretation miteinander verschmelzen? [...]
Dresdner Neueste Nachrichten 20. Oktober 2008 |
| |
| |
| |
| |
Wohlige Spannung und Reibung
Matinee mit Lautten Compagney und Capella Angelica
... Geradezu engelsgleich erklangen die Stimmen der Capella Angelica, weich im Ansatz, lupenrein in der polyphonen Intonation, transparent im Zusammenklang der Stimmen, deren Einzelgewicht hervorragend ausbalanciert zu einem harmonischen Ganzen beuträgt, das bei weitem mehr ist als nur die Summe seiner Teile.
Neuburger Rundschau 6. Oktober 2008 |
| |
|
| |
Chirping of the Nightingale
John Playfords »English Dancing Master«
|
Zierpende Nachtigallen und zierliche Klänge
Konzert in der Stadthalle Kleve
Wohl mehr noch als die Fülle eines großen Sinfonieorchesters begeisterten beim Start der neuen Reihenkonzerte in der gut besetzten Stadthalle die grazilen Töne eines ungewöhnlichen Ensembles, der LAUTTEN COMPAGNEY Berlin. (...) Dabei ging es dem Ensemble darum, alte Musik in die heutige Zeit zu transportieren und ihr eine Spritzigkeit mitzugeben, die höchste Virtuosität mit viel Spielwitz verband. Augenfällig machte das allen voran Dorothee Oberlinger mit Ihrer faszinierenden Fingerfertigkeit auf den Blockflöten... Auf höchstem Niveau agierten ebenso Catherine Aglibut (Violine), Ulrike Becker (Ganbe), Mark Nordstrand (Cembalo/Orgelpositiv) sowie Peter Bauer (Percussion).... Es gab Applaus mit Händen und Füßen und zwei Zugaben.
Rheinische Post 20. September 2008 |
| |
| |
| |
| |
Schlagerparade aus alten Zeiten
Dorothee Oberlinger und die Lautten Compagney Berlin gastierten in der Stadthalle Kleve
Was Ensembleleiter Wolfgang Katschner für sein Konzertprogramm an Schlagern des 17. Jahrhunderts ausgegraben hatte, sorgte beim Klever Publikum für ungeheure Begeisterung. Statt archäologisch korrekt die Staubkörner der Jahrhunderte mit dem Pinsel zur Seite zu wischen, hatte sich Katschner und seine Musiker dazu entschieden, die fetzige Tanzmusik alter Zeiten von theoretischem Ballast einfach frei zu pusten. Heraus kam ein großes Überraschungspaket. Nie wusste man, was als nächstes kommt: plötzliche Stille, ein irrwitziges Solo, ein Intermezzo für Maultrommel, Kastagnetten oder Tamburin, orientalische Anklänge, geordnete Polyphonie oder schräge kontrapunktische Anwandlungen. So lebendig kann Alte Musik sein.
NRZ - Neue Ruhr Zeitung/ Neue Rhein Zeitung 19. September 2008 |
| |
|
| |
Die beiden Venezianer an der Basilika San Marco
Instrumental- und Vokalmusik von Claudio Monteverdi und Giovanni Gabrieli
|
Mag Venedig sinken, die Musik bleibt
Lautten Compagney eröffnete Domkonzerte Königslutter
Die Interpreten: hochkarätige Könner auf dem Gebiet barocker Musik. Mit perfekter Balance und Geschmeidigkeit überzeugte dabei das Berliner Barockorchester "Lautten Compagney", das unter der Leitung von Wolfgang Katschner mit seinem zeitgenössischen Instrumentarium, darunter zwei samtig tönende Gamben und zwei imponierend langhalsige Theorben, mit substanzvollem, aber stets warmem Klang imponierte.
Die acht Sänger der "Capella Angelica" machten mit ihren engelsreinen, präzise artikulierenden Stimmen ihrem Namen alle Ehre und gefielen solistisch wie chorisch mit expressiver Ausgestaltung.
Die Zuhörer durften auskosten, wie sich die menschlichen und instrumentalen Stimmen immer wieder zu sattem Klang addierten. Eindringlich wurden vielfarbige Klangteppiche gewebt, bei denen die Einzelmotive mit großer Strahlkraft hervortraten. Dabei wussten die unter der Vierung des Kirchenschiffs platzierten Musiker den Nachhall im Dom in idealer Weise zu nutzen. Die zeitweilige Trennung in zwei Klangkörper, von denen der eine im Altarraum agierte, schuf zudem einen besonders plastischen Raumklang.
Immer war zu spüren, dass diese Musik trotz straff gewählter Tempi ihren entschleunigenden, angenehm entrückenden Charakter bewahrt. Mag Venedig auch langsam versinken: die Musik aus seiner großen Blütezeit wird weiterleben, vor allem, wenn sie so glanzvoll präsentiert wird! Das Publikum dankte mit herzlichem Beifall.
Braunschweiger Zeitung/ Wolfenbüttler Nachrichten 09. Oktober 2008 |
| |
|
| |
Venezia e Napoli
Ein musikalisches Feuerwerk von Nord nach Süd mit dem Neapolis Ensemble und der LAUTTEN COMPAGNEY Berlin
|
Konzert "Venezia e Napoli" bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci
Optimale Teamarbeit Die LAUTTEN COMPAGNEY unter der Leitung des Theorbe musizierenden Wolfgang Katschner war das zweite wunderbare Ensemble dieser Konzertnacht. Neben Antonio Vivaldi verschafften sich auch Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts, Tommasio Albinoni, Biagio Marini, Tarquinio Merula oder Claudio Monteverdi eine farbenfrohe und erfrischende Wiedergabe, bei denen die Percussionsinstrumente eine nicht unwichtige Rolle einnahmen. LAUTTEN COMPAGNEY und Neapolis Ensemble fanden auch zum gemeinsamen Musizieren bei Vivaldi-Konzertsätzen zusammen, denen sie einen heutigen Pop-Sound mit Extra- Streicheleinheiten verpassten. Dabei profilierte sich kein Ensemble auf Kosten des anderen. Das war Teamarbeit in optimaler Form.
Potsdamer Neueste Nachrichten 10. Juni 2008 |
| |
|
| |
Concerto Veneziano
Kompositionen von Albinoni und Vivaldi
|
Konzert "Concerto Veneziano" bei den Festwochen Herrenhausen
Tonschön und feurig
Nicht minder makellos präsentiert sich die LAUTTEN COMPAGNEY, in der diesmal, von den Ensemblegründern Wolfgang Katschner (Laute) und Hans-Werner Apel (Theorbe, Barockgitarre) abgesehen, ausschließlich Frauen ihren Dienst tun. Absolute Glanzleistung: Vivaldis glutvoll ausmusiziertes a-Moll- Doppelkonzert op. 3/8: Druckvoll, aber tonschön, feurig, aber nicht überhitzt spielen die Solistinnen Anne von Hoff und Birgit Schnurpfeil einander die Bälle zu und nehmen sich obendrein genug Zeit und Raum den empfindsamen Mittelsatz mit wunderbarer klanglicher Delikatesse auszukosten. Langer, herzlicher Applaus.
Hannoversche Allgemeine 26.Mai 2008 |
| |
| |
| |
| |
Furios und eben echt
Täuschend auch der Ensemble-Name „Lautten Compagney", der säuselndes Klimpern suggeriert. Weit gefehlt: Ein furioses Doppelkonzert für zwei Violinen in a-Moll von Antonio Vivaldi beeindruckt die voll besetzte Galerie. Sängerin Jutta Böhnert überzeugt mit glockenheller, klarer Stimme vor allem in Bachs Kantaten. An einigen Stellen nur hätte man sich die Sängerin etwas lauter und die Streicher leiser gewünscht. Andererseits: dafür ist die Stimme authentisch, pur, unverstärkt. Einfach echt eben.
Neue Presse 26. Mai 2008 |
| |
|
| |
| |
Konzert "Winter- und Weihnachtslieder" mit Christian Quadflieg (Lesung) im Potsdamer Nikolaisaal
XXL-Programm der LAUTTEN COMPAGNEY
Wolfgang Katschner ist ein Garant für ausgesuchte Musik, und mit der Stammbesetzung seines Instrumentalensembles versteht er es, den inneren Schwung der alten Musik umzusetzen und dabei von der Laute her die wesentlichen interpretatorischen Aspekte zu setzen. Alle Geheimnisse, die den Winter und das Weihnachtsfest umgeben, waren sie zu klären angetreten und so wurde es ein langer Abend. Aus den Lesebeiträgen Quadfliegs wehte einem die gesamte Weltliteratur entgegen...da fehlte fast keiner, der nicht nachdenklich, heiter ironisch bis grotesk das Weihnachtfest und sein Brauchtum reflektierte. Als dann noch im zweiten Teil einige Weihnachtslieder zum Mitsingen geboten wurden, war die Festtagsstimmung bereits grenzenlos.
Märkische Allgemeine 24. Dezember 2007 |
| |
|
| |
| |
Verschwenderisches Glück
Von Johann Hermann Scheins „Wie schön leuchtet der Morgenstern"
über Johann Georg Ebelings „Fröhlich soll mein Herze springen" bis zum
geistlichen Konzert „Ach mein herzliebes Jesulein" von Johann Schelle
wurden alle Sätze von den Mitgliedern der Capella Angelica mit
sängerischer Kultur und wunderbarer Balance geboten. Mit einem
reichhaltigen Instrumenatrium wartete die LAUTTEN COMPAGNEY unter der
Leitung von Wolfgang Katschner auf. Geigen, Cello, Kontrabass,
Blockflöte, Cembalo, Orgel, Laute, Theorbe, Maultrommel und weitere
Percussionsinstrumente gaben vor allem der Begleitung der Chorsätze
Farbigkeit und eine fröhliche Spiellaune. Heiterkeit stellte sich
nämlich neben aller Besinnlichkeit an diesem Abend ebenfalls ein, in
der Musik und in der Literatur.
Potsdamer Neueste Nachrichten 24. Dezember 2007 |
| |
|
| |
| |
Konzert "Dietrich Buxtehude" beim Festival Alter Musik Bernau
Eindrucksvoll Unter
Wolfgang Katschner spielten die Musiker wieder farbenreich, engagiert
und eindringlich. Der Chor Capella Angelica gefiel mit seinem frischen
Musizieren und einem schlanken strahlenden Klang. Buxtehudes zusätzlich
mit zwei Trompeten besetztes "Nun danket alle Gott" - ein
festlich-glanzvoller Abschluss, der die Zuhörer begeisterte.
orpheus 11/12 2007 |
| |
|
| |
| |
Festkonzert am Reformationstag "Du meine Seele singe" in der Schlosskirche zu Wittenberg
Berührende Innerlichkeit
Zum Abschluss des Renaissance-Musikfestes schlug man eine Brücke durch diese Zeit - vom 14. in das 17. Jahrhundert, von der Renaissance zu Paul Gerhardt. Unter dem Motto "Du meine Seele singe" trafen sich Capella Angelica und LAUTTEN COMPAGNEY Berlin sowie die Wittenberger Hofkapelle unter Leitung von Wolfgang Katschner in der Schlosskirche. Obwohl der große Raum viel Text schluckte, entfalteten die tänzerisch animierten Kompositionen von Johann Georg Ebeling und Johann Crüger eine zu Herzen gehende Innerlichkeit. Fabelhaft, wie viele Nuancen Katschners intensive Vermittlungsarbeit aus dem historischen Ensemble hob. Schon jetzt, nach seiner zweiten Auflage, darf sich das Renaissancemusikfestival als etabliert bezeichnen. Die überwältigende Resonanz spiegelt nicht zuletzt das Bedürfnis nach dem Originalklang und seinen Musizierpraktiken...
Mitteldeutsche Zeitung 2. November 2007 |
| |
|
| |
Chirping of the Nightingale
John Playfords »English Dancing Master«
|
Überaus lustvolles Musizieren
Die fünf Musiker, die sich mit den beiden Ensemblegründern Wolfgang Katschner und Hans-Werner Apel zu einer lustvoll agierenden Spielgemeinschaft zusammengefunden haben, vermögen alte Musik in ihrer Vielfalt und Vitalität aufzuführen und dem reinen Klangerlebnis obendrein noch die frische Farbe improvisierter Elemente hinzuzufügen.
Dass die Zuhörer dabei zuweilen verblüfft sind und erst nach und nach verstehen, was sich da an musikalischer Gruppendynamik abspielt, ist nicht nur erwünscht, sondern gehört zur Voraussetzung des klanglichen Vergnügens.
Fuldaer Zeitung 27. Oktober 2007 |
| |
| |
| |
| |
Unbändige Spiellust
Einen unkonvetionellen Umgang mit Alter Musik pflegt die LAUTEN COMPAGNEY - weit ab von historischer Prinzipienreiterei. Sehr fröhlich war die Mischung aus Musizierfreude, gneauer Kenntnis der barocken Aufführungspraxis, Spaß am Improvisieren und unbekümmertem Einsatz von Perkussionsinstrumenten...
Mit unbändiger Musizierlust zauberte die LAUTEN COMPAGNEY immer wieder ein Lächeln in die Minen der Konzertbesucher - die Musiker brachten sich sogar stellenweise gegenseitig zum Lachen, was in der Alten Musik eher die Ausnahme ist.
Göttinger Tageblatt 16. Oktober 2007 |
| |
|
| |
| |
Konzerte "Monteverdi" und "Heinrich Schütz: Musikalische Exequien"
Von Venedig nach Weißenfels Musik
und Konfession? Von wegen. Musik ist Konfession! Achtzig Minuten Klang
gewordener Frömmigkeit modulierten das Festivalmotto zu prachtvoller
akustischer Entfaltung. Lebendiges Musizieren, nicht Perfektion trat
als künstlerisches Credo hervor. Mag jedes der Originalinstrumente für
sich genommen noch so spröde klingen - in der LAUTTEN COMPAGNEY
verschmolz der raue Ton von Gambe, Violone, Dulcian und Chitaronne mit
der Wärme des musikantischen Empfindens. Dazu die Capella Angelica
vereinte zwölf junge, sich prima ergänzende, nicht zu solistische
Sängerstimmen; zwei Altisten schenkten dem Ensembleklang das gewisse
Etwas - eine fast androgyne Note. Der gemeinsame Grundimpuls war immer
ein schwingender, von der Fröhlichkeit des Herzens getragener, und der
Ausdruck so unmittelbar, als entdeckte man die Kühnheit und
Gefühlstiefe der harmonischen Wendungen just im Moment des Vortrags.
Mitteldeutsche Zeitung 01.Oktober 2007 |
| |
| |
| |
| |
Konzert "Chirping of the Nightingale" beim Mainzer Musiksommer
Normal ist das nicht Normal
ist das nicht. Denn normal wäre langweilig. Und die LAUTTEN COMPAGNEY
will alles, nur nicht Langeweile verbreiten. Denn ihr Konzert beim
Mainzer Musiksommer ist Unterhaltung pur, von der ersten Sekunde bis
zur zweiten Zugabe. Die LAUTTEN COMPAGNEY macht durch ihre
Arrangementkünste jede Musik zu ihrer eigenen. Eine Anregung für die
Phantasie, für das Improvisieren. So perfekt, so beherzt und beherrscht
klang das im England des 17. Jahrhunderts bestimmt nicht. Aber wer will
schon historische Authentizität, wenn er Spaß haben kann?
Mainzer Rhein Zeitung 13. August 2007 |
| |
| |
| |
| |
Einladung zur Improvisation
... für das achtstimmige Ensemble eine Einladung zur Improvisation:
Da wechselten zärtliche Melodien mit virtuoser Vitalität, flankierten
Maultrommeln und Kastagnetten das Gambe- oder Theorbenspiel und
munteres Gezwitscher ließ den Zuhörer irritiert und vergeblich nach
einer im Licht der Chagallfenster umherflatternden Vogelschar Ausschau
halten.... Die LAUTTEN COMPAGNEY versteht es meisterlich, den alten
Klängen experimentierfreudig neues Leben einzuhauchen und zeigt dabei
eindrucksvoll neben einer herausragenden Ensemblequalität die
Virtuosität jede einzelnen.
Mainzer Kurier 13. August 2007 |
| |
|
| |
Dein edles Herz, der Liebe Thron
Vokalmusik von Dietrich Buxtehude Capella Angelica & LAUTTEN COMPAGNEY Berlin
|
Dein edles Herz, der Liebe Thron in Ohrdruf MDR-Musiksommer
Mit expressiver Leuchtkraft
Die Capella Angelica ist ein Zusammenschluss von Barock-Sängern und weniger ein Chor. Besonders die Männer musizieren sehr individualistisch, und somit bildet das Ensemble klanglich eine Alternative zu der Menge an kleinen sehr guten, meist semiprofessionellen Chören, die den Barockmusik-Markt dominieren.
Mitteldeutsche Zeitung 30. Juli 2007 |
| |
|
| |
Timeless
Musik von Tarquino Merula und Philipp Glass
|
Mit Tarquinio Merula und Philip Glass in Neuburg an der Donau bei den Audi-Sommerkonzerten
Zauberisch belebt
...herrschte hier die reinste Klangraum-Alchemie. Merula kombiniert mit Marimba (Peter Bauer) mutierte zu Glass, ein langes Ostinato paarte die Instrumente zu immer neuen magischen Wirkungen. Nahtlos erwuchs daraus die bekannte Ciaconna von Merula, die triumphal gut geriet.
Auch Glass´ ("Something She Has To Do") gewann nun eine unglaublich berührende Tiefe, die man Filmmusik eigentlich nicht zutrauen würde. Das begeisterte Publikum wollte die Musiker nach dem langen Abend gar nicht gehen lassen. Also noch einmal Glass, noch einmal die Ciaconna, so zauberisch belebt wie draußen die warme Sommernacht.
Neuburger Rundschau 19. Juli 2007 |
| |
|
| |
Chirping of the Nightingale
John Playfords »English Dancing Master«
|
Mit frechem Mut
Zu hören bekommt man freilich deutlich mehr als die nackten Melodiestimmen, die bei Playford notiert sind. Die LAUTEN COMPAGNEY hat das karge Material kreativ und mit frechem Mut zur "historischen Inkorrektheit" für ein siebenköpfiges Ensemble arrangiert - heraus kommt ein recht spekulatives, aber doch höchst vitales Bild ländliches Musikantentums im England des 17. Jahrhunderts.
Hannoversche Allgemeine Zeitung 05. Juli 2007 |
| |
| |
| |
| |
Lautten Compagney - Erstaunlich modern
Herzhaftes
Gelächter bei einem Barockkonzert? Bei der LAUTTEN COMPAGNEY ist das
möglich. Das Berliner Ensemble vereinte vor begeisterten Besuchern
feine Musizierkunst mit Humor. Die
Arrangements der LAUTTEN COMPAGNEY wirkten - historische Instrumente
hin oder her - oft erstaunlich modern. Treibende Stücke gabs,
nachgerade groovende, auch meditative und getragene. Durchweg spielte
das siebenköpfige Ensemble erfreulich exakt. Immer wieder kamen zu
Viola da Gamba, Theorbe oder Cembalo überraschende Klänge - wie
Kastagnetten und Maultrommel.
Neue Presse Hannover 05. Juli 2007 |
| |
|
| |
Dein edles Herz, der Liebe Thron
Vokalmusik von Dietrich Buxtehude Capella Angelica & LAUTTEN COMPAGNEY Berlin
|
"Dein edles Herz, der Liebe Thron" im Dom zu Halle - Händel-Festspiele 2007
Dass
die LAUTTEN COMPAGNEY um ihren Gründer Wolfgang Katschner in ihrem
Einverständnis mit Buxtehudes Werk beispielgebend ist, konnte man
bereits auf einer CD-Trilogie nachhören. Hier aber bewährte sich das
Ensemble mit seinem Rundum-Dirigenten als Orientierungspunkt für ein
Sänger-Ensemble, das in meditativer Vereinzelung wie im Chor der
Gemeinde sinnstiftend artikulierte und musizierte.
Mitteldeutsche Zeitung 11. Juni 2007 |
| |
|
| |
Membra Jesu Nostri
Kantaten von Dietrich Buxtehude und Gerhardt/Crüger Capella Angelica & LAUTTEN COMPAGNEY Berlin
|
"Membra Jesu Nostri" in der Herderkirche zu Weimar
Katschner brachte den mit zwei Stimmen je Register minimalistisch besetzten
Chor zu vollkommener Geltung; das enorm reagible Ensemble verströmte in fruchtigen Färbungen wahrhaftige Anmut,
und die LAUTTEN COMPAGNEY begleitete auf historischen Instrumenten spannungsreich, mit delikater Dynamik. Das bescherte
den Hörern in der Herderkirche - im Angesicht des Cranach-Altarbildes - ein tief kontemplatives Erlebnis, dessen
konfessionsübergreifende Spiritualität auch nach 300 Jahren lebendig wirkte. Angemessen, euphorisch fiel
dafür der Beifall aus.
Thüringer Landeszeitung 22. April 2007 |
| |
| |
| |
| |
"Membra Jesu Nostri" in Zürich
Grandiose Aufführung
... Aber das alles spielt keine Rolle in dem Moment, da man in der
Predigerkirche sitzt, gepackt und gerührt von einem Werk, das zum Abschluss des dreitägigen Buxtehude-Festivals
des Forums Alte Musik Zürich eine grandiose Aufführung erlebt. Die Stimmen der Capella Angelica und die
Instrumente der LAUTTEN COMPAGNEY finden unter der Leitung von Wolfgang Katschner all die Töne, die diese Musik
verlangt: Die zarten und dank der Theorben auch die perkussiven, die empfindsamen und die angriffigen. Prachtvoll
klingt das, dabei nie pompös und erst recht nicht kitschig ...
Zürcher Tagesanzeiger 03. April 2007 |
| |
| |
| |
| |
Explosiv, bodenständig und sphärisch
... Dass Buxtehudes Musik sich so kraftvoll gegen die optischen
Reize behauptete, zeigte aber auch, wie unmittelbar diese raffiniert und vielseitig gestalteten Klänge
ein heutiges Publikum anzusprechen vermögen. Daran hatte die Interpretation der Berliner LAUTTEN COMPAGNEY und der Capella Angelica unter
der Leitung von Wolfgang Katschner wesentlichen Anteil. Die Sänger und Instrumentalisten
füllten den Kirchenraum mit einem leuchtenden, warm timbrierten Ensembleklang, der durch
die Bassgruppe erfreuliche Bodenständigkeit erhielt. Das Gambenconsort sorgte dagegen
in den Mittelstimmen für zarte, sphärische Tönungen. Die kunstvoll
ausgearbeitete Mehrstimmigkeit trat plastisch hervor, ohne dass die spontane Musizierlust
dabei zu kurz kam.
Neue Zürcher Zeitung 03. April 2007 |
| |
|
| |
| |
Lesung und Konzert
Advent in der Frankfurter Dreikönigskirche Mit
keiner anderen Musik lässt sich deutsche Weihnachts-Innigkeit besser
beschwören als mit sanften Flöten und besinnlichen Lautenakkorden.
Eines der führenden Ensembles der Gattung ist die "Berliner Lautten
Compagney". Zur festlichen Barockmusik las der Schauspieler Otto Sander
mit seiner unverwechselbaren Stimme Geschichten von Rilke, Kästner,
Morgenstern und anderen Autoren.
hr2 sendete einen Mittschnitt / 24.12.2006 25. Dezember 2006 |
| |
|
| |
David
Oratorium von Francesco Conti, Text von Apostolo Zeno Solisten, Capella Angelica & die LAUTTEN COMPAGNEY Berlin
|
Sachverwalter der neuen Alten Musik
David erwies sich als eine Komposition von sinnlicher Eindringlichkeit und handwerklicher Brillanz. Wie sein fast gleichaltriger Kollege Händel fasste Conti das Oratorium dramatisch auf und schob so die geistliche Erbauung eigentlich in den Hintergrund. Es dominiert ein weltliches Spiel um Machtbedrohung und Machterhalt. Ein Kunstbild, an dem sich auch die Gegenwart misst.
Die renommierte LAUTTEN COMPAGNEY machte sich hochengagiert zum Sachverwalter der neuen Alten Musik. Das vibrationslose Violinenspiel und das "sempre non-legato" mit seinen pointierten Abrissen erzeugte eine unromantische Verschärfung des Dramatischen wie auch eine durchhörbare Plastizität des Klangs.
Thüringer Allgemeine 2. Oktober 2006 |
| |
| |
| |
| |
Musik, die mit barocken Elementen spielt und gleichzeitig weit in die Zukunft weist
Die Handlung ist kurz, doch weil der Librettist Apostolo Zeno die Charaktere stark psychologisiert gezeichnet und Konflikte herausgearbeitet hat, trägt das den dreistündigen Aufführungs-Marathon. Contis "David" ist weder Bach noch Händel, noch Mozart. Irgendwo dazwischen lässt sich die Musik verorten, die mit barocken Elementen spielt und gleichzeitig weit in die Zukunft weist.
Die Ausgrabung aus der Meininger Anton-Ulrich-Sammlung ist eine Entdeckung, die nun im musikalischen Gedächtnis bleiben sollte.
Meininger Tageblatt 2. Oktober 2006 |
| |
|
| |
Dolce mio ben - Italienische Kantaten und Opernarien um 1700
Konzerte mit Maite Beaumont bzw. Deborah York
|
Dolce mio ben mit Deborah York in Lamspringe
Deborah York bot eine ganze Kette kleiner musikalischer Perlen. Die Sängerin wurde mit ihrem kristallklaren Timbre dem Ideal der Barockmusik voll gerecht. Vor allem, weil sie nicht nur alle Verzierungen und Verschlingungen perfekt nahm, sonder immer die Gefühlslage der jeweiligen Figur erlebbar machte - mal leicht und lebendig, mal leidenschaftlich oder melancholisch. Begleitet wurde sie von den Damen und Herren der LAUTTEN COMPAGNEY, einem renommierten deutschen Ensemble der Alten Musik. Sie waren äußerst einfühlsame und die Strukturen der Musik durchsichtig hervortreten lassende Partner - und musikalische Solisten.
Hildesheimer Allgemeine Zeitung 12. September 2006 |
| |
| |
| |
| |
Dolce mio ben mit Deborah York in Meppen
Das Ensemble LAUTTEN COMPAGNEY belegte in eindrucksvoller Weise seine musikalische Sonderklasse, zumal mit Deborah York eine Ausnahmesopranistin verpflichtet werden konnte, die über ein perfektes Stimmvolumen und höchst sensible Musikalität verfügt. Das Programm bot eine geschickte Auswahl von instrumentalen und vokalen Werken italienischer Komponisten, die um das 17. Jahrhundert entstanden. [...] Die Musik lebte vom melodischen Glanz der großartig besetzten Violinen und Violen, die von einem reichen, teils eigenständig musizierenden Continuo begleitet wurden.
Meppener Tageblatt 9. September 206 |
| |
| |
| |
| |
Stilsichere amouröse Bekenntnisse
Kammerkonzert des Rheingau Musik Festivals im Dormitorium von Kloster Eberbach
Maite Beaumont sang diese Beispiele amouröser Bekenntnisse mit einer in alen Lagen ausgeglichenen Stimme, hellem, klarem Timbre, ungemein stilsicher in schöner, ebenmäßiger Linie, perfekt in der Bewältigung der schwierigsten Koloraturen, exzellent auch im Improvisieren... Die LAUTTEN COMPAGNEY begleitete dezent und mit delikatem Klang, ein Sonderlob der ausgezeichneten und solistisch stark strapazierten Primgeigerin. Auch mit drei in federnder Leichtigkeit interpretierten Balletteinlagen zu Opern des 18. Jahrhunderts und einer Passacaglia von Nicola Matteis der Jüngere erwiesen sich die Instrumentalisten als ein Ensemble der Sonderklasse.
Wiesbadener Kurier 16. August 2006 |
| |
| |
| |
| |
Aufhellung im August
[...] Ganz Gefühl, Üppigkeit und Verfeinerung ist dazu die Stimme von Maite Beaumont, unangestrengt wie die achtköpfige LAUTTEN COMPAGNEY, die sie in eine gut kontrollierte Fülle des Wohllauts hüllen.
Ebenso entfachen die Musiker schiere Zornesstürme, nie aber verlieren sie die Delikatesse. Weil das Publikum links und rechts der Bühne einander gegenübersitzt, sieht man Menschen töricht lächeln vor Glück. Unsere Sehnsüchte nach Leidenschaft und Frohsinn überspringen die Jahrhunderte. Die CD am Stand fand reißenden Absatz.
Frankfurter Rundschau 17. August 2006 |
| |
|
| |
Mozart und Bachs Söhne
Stadt- und Universitätsgottesdienst zu den Händel-Festspielen Marktkirche zu Halle am 11. Juni 2006
|
Barock hat Konjunktur - gute Interpreten, gute Dramaturgie
[...] Während der als Quadratur des Quartetts auftretende Chor hier stilsicher die Imitation des alten Stils präsentierte, ließ Katschner in den Streichern das vom Götterfunken entzündete Feuer des Neuen aufflackern. Und auch im knappen Bekenntnis "Sancta Maria, mater Dei" sowie im breit aufgefächerten "Regina coeli" ließ sich die Meisterschaft erkennen, mit der Mozart einzelne Stimmen zum gebündelten Strahlen bringen konnte.
Dass Katschner und Co. allerdings keinesfalls eine Abwertung der mitteldeutschen Musikerfamilie beabsichtigten, zeigte sich im farbfrisch und kraftvoll musizierten "Laudate pueri" von Johann Christian und in der überraschend fintenreichen Sinfonie F-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach...
Mitteldeutsche Zeitung 14. Juni 2006 |
| |
|
| |
Eine Neue Tafelmusik
Die 4. Suite der "Musique de Table", gemeinsam erstellt von den Herren Händel und Telemann
|
Musikinstrumenten-Museum in Berlin: Alte Musik - live
Die Aufführungen mit der LAUTTEN COMPAGNEY unter Wolfgang Katschner sind immer stark akklamierte Ereignisse. Mit der 4. Suite aus der Tafelmusik von Telemann und Händel trat man in großer Besetzung auf und hatte die schöne Möglichkeit, beide Komponisten unmittelbar vergleichen zu können. In der Sonate g-Moll (Händel) brillierte Geigerin Birgit Schnurpfeil mit ihrem feinsinnigen und temperamentvollen Vortrag. Händels Aria "Torni omai" aus "Tolomeo" für 2 Theorben (Wolfgang Katschner und Hans-Werner Apel), Violine und Violoncello (Ulrike Becker) begeisterte in dieser delikaten Besetzung besonders. Alle Kompositionen wurden von den Musikern mit Verve, geschmackvollen Verzierungen und großer Spielfreude vorgestellt.
orpheus 5/6 2006 |
| |
|
| |
Omnia tempus habent - Alles hat seine Zeit
Alte und Neue Musik von Gesualdo/Sciarrino, Carissimi und B.A. Zimmermann und Videokunst von Veit-Lup
|
Oscar für Konzertdramaturgie
Auch Konzerte zu komponieren ist eine Kunst, und gäbe es eine dem Oscar vergleichbare Trophäe für gelungene Programmdramaturgie - sagen wir: den goldenen Otto - dann wäre das pausenlos durchkomponierte musikalische Tryptichon "Omnia tempus habent" sicher ganz oben auf der Nominierungsliste.
Berliner Zeitung 31. Oktober 2005 |
| |
|
| |
Jonas und Judicium Extremum
Oratorien von Giacomo Carissimi (1605-1674)
|
Gesang aus dem Bauch des Walfischs
[...] Was aber wäre solches Wissen ohne die Kunstfertigkeit und Leidenschaft, mit der die Werke in die Gegenwart gehoben werden? Markant ist in Carissimis knappen Oratorien vor allem ihr zielgerichtetes Erzählen, das keine selbst verliebten Ornamente duldet - und nicht nur deshalb überraschend modern wirkt. Die Methode, einen fortlaufenden Text durch verschiedene Stimmen wandern zu lassen, problematisiert zudem die Prinzipien der Überlieferung vom geheimnisvollen Raunen bis zur gewissenhaften Verkündigung - und ist flexibler als die Bindung einer Geschichte an festgelegte Erzähler. Wolfgang Katschner und seine Musiker, die solistischen Aufgaben ausnahms- und mühelos gewachsen sind, betonten diese Qualitäten mit aller Konsequenz.
Mitteldeutsche Zeitung 10. Juni 2005 |
| |
|
| |
Dolce mio ben - Italienische Kantaten und Opernarien um 1700
Konzerte mit Maite Beaumont bzw. Deborah York
|
Mezzomixrausch
Wer Hamburgs temperamentvolles Opernwunder Maite Beaumont in der Kleinen Musikhalle mit den klingenden Kleinodien der Barockmeister Conti, Fedeli, Gasparini, Magini und Sarri hören durfte, schwebte nach zwei affektgeladenen Sternstunden wie auf Wolke Sieben über dem Neuschnee. [...]
Wolfgang Katschner hat nun mit seiner LAUTTEN COMPAGNEY, einem Barockensemble der explosiven wie geschmeidig dynamisierten Akzente und freudigen Verspieltheiten daraus ein Pasticcio vom Feinsten zusammengestellt [...]. Und Maite Beaumont formte mit tausendundeiner Stimmfarbe eine intime Miniaturoper: Von der hingebungsvollen über die verschmähte Liebe bis zum trotzigen Befreiungsschlag erspürte sie jede expressive Nuance mit reinster Intonation, koloraturgespickter Agilität, Verzierungslust und ungestümer Leidenschaft.
Die Welt 21. Februar 2005 |
| |
|
| |
The Beggar's Opera - Ein musikalischer Briefwechsel
mit Songs aus der "Beggar's Opera" von John Gay und Johann Christoph Pepusch nebst Musik von Georg Friedrich Händel, John Dowland und aus der Sammlung "The English Dancing Master" von John Playford
|
LAUTTEN COMPAGNEY musizierte "Beggar's Opera"
In Babette Hesses Rahmenhandlung für die Ausschnitte aus der Beggar's Opera, die bekanntlich das Vorbild für die populärste Kooperation der Herren Brecht und Weill lieferte, wurden die Erfolgsautoren Gay und Pepusch nämlich gegen einen berühmten Zeitgenossen ausgespielt. Der fiktive Briefwechsel, in dem sich das unge Londoner Paar Miranda und Perceval über die Theatersaison des Jahres 1728 austauschte, stellte den Erfolg der Bettleroper gegen Georg Friedrich Händels damals unglücklichere Opernunternehmungen.
Der fulminante Erfolg hatte die Matinee in der Anhaltinischen Gemäldegalerie vor allem zwei jungen Solisten zu verdanken, die den Affekt der Arie wie den direkten Ton der Parodie beherrschten. Constanze Backes und Matthias Vieweg spielten als Sänger wie als Sprecher so gekonnt auf der Tastatur der Gefühle, dass selbst ihre virtuosen Begleiter an den historischen Saiteninstrumenten gelegentlich mit dem Gelächter kämpften.
Der anfangs galante, dann zunehmend frivole Ton, mit dem hier das Theater-Abenteuer auf das Leben der besseren Gesellschaft abfärbte, war ein Parade-Beispiel für kunstvoll erzählte Kulturgeschichte...
Mitteldeutsche Zeitung 4. März 2003 |
| |