Kritik
Musik und Theater
La Diavolessa im Potsdamer SchlosstheaterAbstecher zur LAUTTEN COMPAGNEY
Mehrere Spezialisierungen auf verschiedenste, wenn auch nicht unverträgliche Genres vereinigen sich in der Berliner LAUTTEN COMPAGNEY, die man wohl ein ostdeutsches Unternehmen nennen darf - ein zwischen Dresden, Bad Lauchstädt, Berlin und Potsdam sehr umtriebiges obendrein. Zwischen weltlichem Komödiantentum und geistlicher Zerknirschung spannt sich der Bogen ihrer musikalischer Ausdruckssphären. Den Kern des in höchst variabler Besetzung, manchmal sogar in Opernorchestergröße auftretenden Ensembles bildet tatsächlich das Lauten-Duo der Gründer Wolfgang Katschner und Hans-Werner Apel. Katschner dirigiert auch - wenn es sein muss mit umgehängter Laute. Apel bleibt derweil bei seinem Leisten und schlägt die unterschiedlichsten Lauten und Gitarren, die dem Orchestertutti eine manchmal perkussionsartige, arpeggierende oder glissandierende Wirkung verleihen. So auch, noch bis Ende des Jahres, im Schlosstheater des Neuen Palais in Sanssouci. Gezeigt wird eine Opera buffa von Baldassare Galuppi. La Diavolessa, aus der besten Zeit der Zusammenarbeit mit Goldoni in Venedig, wo das noch junge Genre seine erste Blüte erlebte. Babette Hesse hat das Libretto mit glücklicher Hand in sangbares Deutsch übersetzt, auf dass kein Lacher verloren geht. Typisch goldonisch dreht es sich um drei Paare und einen Drahtzieher, die allesamt goldrichtig besetzt sind. Das glänzende Orchester, aus dessen Mitte heraus eine agile, stets verschiedenen Akteuren zuspielende fünfköpfige Continuogruppe (drei Lauten, Cembalo, Violoncello) agiert, spielt mit der für Galuppi unabdingbaren Leichtigkeit und Noblesse. Die Inszenierung von Heike Hanefeld bezirzt mit vielen simulaten Nebenhandlungen.
Peter Sühring in CONCERTO Dezember 02 / Januar 03
Es lohnt sich, nach Schätzen zu graben!
Es lohnt sich, nach Schätzen zu graben! Vorausgesetzt, man hat eine gute Spürnase wie die Dramaturgen des Potsdamer Hans Otto Theaters, die Baldassare Galuppis spritzig-leichtfüßige Komische Oper «La Diavolessa» entdeckten;
Die Potsdamer Aufführung glänzt auf der ganzen Linie. Wolfgang Katschner führt die Berliner Lautten Compagney stilsicher und präzise durch die Partitur. Behutsam rücken Heike Hanefeld (Regie), Barbara Anna Keiner (Bühne und Kostüme) und Babette Hesse (deutsche Übersetzung) die heitere Maskerade in die Gegenwart. Die Inszenierung besitzt Charme und - dank ausgefeilter Personenregie - viel Situationskomik.
Berliner Morgenpost, 23. Oktober 2002
Wolfgang Katschner und die LAUTTEN COMPAGNEY lassen sich auf die gut verträgliche Leichtigkeit des Scheins ein. Das auf vorklassische Musizierweise spezialisierte Ensemble schärft die Rhythmen, treibt die Tempi und schneidet die Dynamik so flexibel auf die Szene zu, dass die 24 Musiknummern wie in Noten gesetzter Slapstick wirken.
Eines steht fest: Galuppis teuflsich kurzweilige Musik ist allemal eine Entdeckungsreise nach Sanssouci wert.
Märkische Allgemeine, 21. Okober 2002