Konzert
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Jonas und Il Giudizio Finale
Oratorien, Dixit Dominus und Magnificat von Giacomo Carissimi
Der Geburtstag von Giacomo Carissimi jährte sich 2005 zum 400. Mal. Carissimi war einer der wichtigsten Komponisten für das frühe Oratorium im 17. Jahrhundert.

Mit "Jonas" und "Il Giudizio Finale" kommen zwei der wirkungsvollsten Oratorien Carissimis zur Aufführung, denen geschickt dramatisierte Texte aus dem Alten Testament zugrunde liegen. Carissimi verwendet in grandioser Kombination das monodische Rezitativ im Kontrast mit großen zwei- und dreichörigen Ensembles. Seine Art der Deklamation folgt der Tradition Monteverdis und ist von einer bemerkenswerten dramatischen Spannung. In seinen Chören kann man Händels große biblische Oratorien voraushören.
 
 
 
 
Jonas
Christus

Musikalische Leitung
Capella Angelica
LAUTTEN COMPAGNEY
 
Hermann Oswald
Matthias Gerchen
 
Wolfgang Katschner
 

Erstaufführung im Dom zu Halle - Händel-Festspiele 2005

Die CD "Giacomo Carissimi" wurde vom belgischem Musikmagazin pizzicato im Dezember 2006 mit dem SUPERSONIC AWARD ausgezeichnet. Diskografie

 
Kritk
Gesang aus dem Bauch des Walfischs  Halle/MZ/ahi.  Seinen gesteigerten Wert trug dieser Mann bereits in seiner Unterschrift zu Markte, die im zweiten Wort den Superlativ mit dem Plural der italienischen Vokabel für „lieb” oder „teuer” vereinte. Und lieb und teuer war dieser Giacomo Carissimi, der vor 400 Jahren in Marini geboren wurde, seinen Zeitgenossen tatsächlich. Als Autor von Oratorien wie „Historia di Jephte” oder „Judicium Salomonis” erwarb er nicht nur Kapellmeister-Ämter in Tivoli und Rom, sondern schrieb auch die von Claudio Monteverdi ererbte Tradition in die Zukunft eines Georg Friedrich Händel fort.

Grund genug, den Jubilar bei den halleschen Barock-Festspielen zu ehren - und auch einige seiner unbekannteren Werke auf das Programm zu setzen. Dass die "Historia Jonae" und das "Judicium extremum" bei der LAUTTEN COMPAGNEY und der Capella Angelica bestens aufgehoben sein würden, durfte man bereits vor dem Konzert im Dom zu Halle erwarten. Dass man zwischen der Erstaufführung eines doppelchörigen "Dixit dominus" und dem ersten der vielstimmigen Oratorien aber eine Gabrieli-Sinfonia zu hören bekam, folgte der Dramaturgie aus den römischen Andachten und bezeugte so die historische Sorgfalt der Ensembles.

Was aber, wäre solches Wissen ohne die Kunstfertigkeit und Leidenschaft, mit der die Werke in die Gegenwart gehoben worden... Markant ist in Carissimis knappen Oratorien vor allem ihr zielgerichtetes Erzählen, das keine selbstverliebten Ornamente duldet - und nicht nur deshalb überraschend modern wirkt. Die Methode, einen fortlaufenden Text durch verschiedene Stimmen wandern zu lassen, problematisiert zudem die Prinzipien der Überlieferung vom geheimnisvollen Raunen bis zur gewissenhaften Verkündigung - und ist flexibler als die Bindung einer Geschichte an festgelegte Erzähler.

Wolfgang Katschner und seine Musiker, die solistischen Aufgaben ausnahms- und mühelos gewachsen sind, betonten diese Qualitäten mit aller Konsequenz. Das Orchester verstand sich abseits seiner Vor- und Zwischenspiele als dienender Begleiter und stellte die Sänger - von der kläglichen, unheldischen Angst des Jonas im Wal bis zum Zittern der Sünder am jüngsten Tag - demonstrativ in das Zentrum. Die unverhüllte menschliche Stimme - schutzlos und schön.

Mitteldeutsche Zeitung 10. Juni 2005

Voll beseelt - lustvoll frisch  Das besondere dieser Aufnahme ist neben der faszinierend frischen Musizierweise die Konzeption der vier Carissimi-Werke plus einer Instrumentalmusik von Giovanni Gabrieli als Rekonstruktion einer vollständigen musikalischen Gebetsstunde, so wie sie im Rom des 16. Jahrhunderts üblich war. Esercisi hießen diese musikalischen Gebetsstunden, die bei den Gläubigen Roms außerhalb der Gottesdienste sehr beliebt waren. Sie wurden zumeist nachmittags oder abends als eine Art geistliche Erbauung gehalten und waren geprägt von biblischen Geschichten, Predigten, christlichen Dichtungen, alles eingebettet in äußerst reichhaltiger Musik. Stattgefunden hat das Ganze in eigens gebauten sogenannten "Oratorien", in Betsälen also mit dem Ziel, die beladene Seele durch die affektreichen biblischen Geschichten zu reinigen.

In dieser geistigen Atmosphäre war Giacomo Carissimi einer der führenden Oratorienkomponisten Roms seiner Zeit. Gerade auch in seinem Oratorium "Judicium Extremum" kann man seine ungemeine Kunstfertigkeit sehr schön ablesen. Er erweist sich als regelrechter Meister im Mischen der verschiedensten Stile. Da hören wir die schlichten Tonrepetitionen des stile recitativo, die ausladende Melodik und die Koloraturen des stile rapresentativo, den stile arioso bei gereimten Texten und den stile concertato in den Chorpassagen.

Die vorliegende Rekonstruktion einer geistlichen Erbauungsstunde mit Werken Giacomo Carissimis und der Musikerschar um Wolfgang Katschner ist in jedem Moment voll beseelt-strahlenden Pathos, die musikalische und textliche Diktion ist klar und leuchtend, die vokalen und instrumentalen Stimmen sind lustvoll frisch geführt. In der Tat ist die ganze SACD eine wahre musikalische Erbauung im Spiel zwischen Präsenz und Transparenz, Majestas und Würde, Drama und Einkehr. Die kraftvollen Oratorien und Vespermusiken wirken in dieser Interpretation wie frisch restauriert. Und wer das alles noch auf einer surround-sound-Anlage genießen kann, der ist mitten drin in diesem musikalischen Historienfilm aus den Oratorien Roms. Diese Live-Aufnahme im Rahmen der Halleschen Händel-Festspiele 2005 bietet Klanggenuss pur - auch zur Weihnachtszeit!
Bayern 4 Klassik  08. Dezember 2006

  
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