The
Beggar's Opera
Mit
der LAUTTEN COMPAGNEY hatter er (Festivalchef Clemens
Birnbaum), Kurt-Weill-Festival 2003) ein Ensemble
eingeladen, das nicht nur zwischen Halle und Magdeburg
zu den gern gesehenen Barock-Interpreten zählt.
Durch die Wahl des Programms verankerte er das
Dessauer Fest zudem tief im intellektuellen
Nährboden der Musikgeschichte - und lieferte
einen ironischen Beitrag zum alten Streit zwischen E-
und U-Sparte.
In
Babette Hesses Rahmenhandlung, für die
Ausschnitte aus der Beggar's Opera, die bekanntlich
das Vorbild für die populärste Kooperation
der Herren Brecht und Weill lieferte, wurden die
Erfolgsautoren Gay und Pepusch nämlich gegen
einen berühmten Zeitgenossen ausgespielt. Der
fiktive Briefwechsel, in dem sich das junge Londoner
Paar Miranda und Perceval über die Theatersaison
des Jahres 1728 austauschte, stellte den Erfolg der
Bettleroper gegen Georg Friedrich Händels damals
unglücklichere Opernunternehmungen.
Der
fulminante Erfolg hatte die Matinee in der
Anhaltinischen Gemäldegalerie vor allem zwei
jungen Solisten zu verdanken, die den Affekt der Arie
wie den direkten Ton der Parodie beherrschten.
Constanze Backes und Matthias Vieweg spielten als
Sänger wie als Sprecher so gekonnt auf der
Tastatur der Gefühle, das selbst ihre virtuosen
Begleiter an den historischen Saiteninstrumenten
gelegentlich mit dem Gelächter
kämpften.
Der
anfangs galante, dann zunehmend frivole Ton, mit dem
hier das Theater-Abenteuer auf das Leben der besseren
Gesellschaft abfärbte, war ein Parade-Beispiel
für kunstvoll erzählte
Kulturgeschichte
Mitteldeutsche
Zeitung 4. März 2003
|